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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Episoden und Gedanken

In alten Zeitschriften geblättert

Drei Auszüge aus alten Zeitungen und Zeitschriften: Die „Armeerundschau“ 10/59 über den Einsatz von Soldaten und Matrosen bei der Störtebeker-Ballade in Ralswiek, die „Armeerundschau“ 12/60 über die Flottenparade zur Namensverleihung „Volksmarine“ am 4. November 1960 mit Ehrensalut des KSS 401, und die Betriebszeitung des Transformatorenwerkes „Karl Liebknecht“ über die Außerdienststellung des Patenschiffes KSS „Karl Liebknecht“ am 1. Oktober 1968.

Manchmal ist es ganz interessant, in alten Zeitungen und Zeitschriften zu blättern. Schauen wir einmal so 40-45 Jahre zurück. Herbert Axmann stellte uns die „Armeerundschau“ der Jahrgänge 1956 bis 1960 zur Verfügung. Für den, der diese Zeit nicht mitgemacht hat, klingt das Zeitungsdeutsch aus heutiger Sicht manchmal etwas ungewohnt aber der Sprachstil war damals nun einmal so. Man merkt zwar, daß diese Zeitschrift mehr auf die grau Uniformierten und weniger auf die Seestreitkräfte zielte, aber zwei Mal wurden wir beim eifrigen Suchen sogar speziell zu KSS fündig.

In der Ereignistafel, die durch unsere Marinekameradschaft geführt wird, taucht im August 1959 die Bemerkung auf, daß KSS-Personal erstmalig bei der Aufführung der Störtebeker-Ballade in Ralswiek zum Einsatz kam. In dem hier vorliegenden Heft schildert Kamerad Wolfgang Jänecke unter der Überschrift „Unter Störtebekers Piraten“ seine damaligen Eindrücke. Genau zu diesem Ereignis fanden wir noch den folgenden kleinen Artikel:

„Armeerundschau“ 10/59: Soldaten spielen Seeräuber und Söldner

Da haben wir sie also, die böse, alte Zeit, im Maßstab 1:1 und auf einer guten, neuen Bühne, 23 Meter tief und 72 Meter breit. Die Zeit, die vor uns hier lebendig wird, liegt an der Wende zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert, als die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden. Es ist eine Zeit großer Klassenkämpfe.

Der Schriftsteller Kuba (Kurt Barthel) hat aus neuer Sicht diese Zeit, ihre Konflikte und ihre Helden gestaltet. Klaus Störtebeker ist kein zielloser See r ä u b e r, sondern ein „Likedeeler“ ein Gleichteiler, ein Freund der Armen. Er fällt schließlich, als er die realen Machtverhältnisse falsch einschätzt.

Ein 2000köpfiges Ensemble – Künstler, Bauern, Fischer, Arbeiter, Schüler, Sportler, Soldaten und Matrosen - führte das Spiel von Klaus Störtebeker auf. Und Tausende strömten täglich nach der Ralswieker Bühne und folgten gebannt dem Geschehen im Scheinwerferlicht. Unsere Soldaten und Angehörigen der Seestreitkräfte gaben, wie alle Mitwirkenden des großen Ensembles, ihr Bestes.

Die Proben gingen meist bis spät in die Nacht, dann saß man noch eine Stunde auf dem LKW, und am Morgen begann der Dienst wie immer. Die Genossen der Seestreitkräfte mussten viel seemännisches Können beweisen, um die schwierigen Manöver mit den plumpen Hansekoggen auf die Minute genau auszuführen. Überraschende Schwierigkeiten, z. B. Motorschäden wurden von ihnen oft in allerletzter Minute behoben. Und der Funker an Bord der „Santa Genoveva“ konnte dem Inspizienten allabendlich melden: „Kogge 1 in vorgeschriebener Position!“

Unter dem Datum 4. November 1960 heißt es in unserer Ereignistafel: Teilnahme von 3 KSS an einer Flottenparade im Greifswalder Bodden anläßlich der Namensverleihung „Volksmarine” an die Seestreitkräfte der DDR durch den Minister für Nationale Verteidigung, Generaloberst Heinz Hoffmann. Das Flaggschiff des Verbandes, KSS 401, schießt Ehrensalut. Auch zu diesem Ereignis wurden wir in der Armeerundschau fündig und präsentieren hier Auszüge aus:

„Armeerundschau“ 12/60: Salut – Volksmarine (von Fregattenkapitän E. Lange)

In schneller Fahrt gleiten die TS-Boote über die Wellen. Gischt spritzt querab. Jetzt ändern sie den Kurs und drehen nach Backbord ab. Da dröhnt Kanonendonner eines KSS über das Meer: …18 …19…20…21 Schuß. Der Verband begrüßt den Minister für Nationale Verteidigung.

Die große Parade eines Teils der Flotteneinheiten der Seestreitkräfte ist eröffnet. Den Teilnehmern bietet sich ein festliches Bild mustergültiger militärischer Ordnung. Nachdem der Minister die Front der vor Anker liegenden Schiffe abgefahren hat, nehmen die Boote Kurs auf das Flaggschiff. Das Ministerboot geht am KSS längsseits. Kommandos ertönen. Meldung erfolgt. Und dann ist es soweit. Vom HBS spricht der Minister über UKW zu den angetretenen Matrosen, Maaten und Offizieren des Paradeverbandes und zu den Gästen. Der große Augenblick der historischen Verleihung des stolzen Namens „Volksmarine“ an die Seestreitkräfte der Nationalen Volksarmee ist gekommen …

… Dann wird der Tagesbefehl des Ministers für Nationale Verteidigung verlesen. Darin heißt es u. a.: „Seit Schaffung der Nationalen Volksarmee haben die Seestreitkräfte ausgezeichnete Ergebnisse in der politischen und militärischen Ausbildung erzielt und sich zu einem schlagkräftigen Instrument zum Schutz der Arbeiter- und Bauernmacht entwickelt. Sie stehen Seite an Seite mit der Baltischen Rotbanner-Flotte und der Seekriegsflotte der Volksrepublik Polen auf Friedenswacht. Dabei erfüllen sie das Vermächtnis der revolutionären deutschen Matrosen Reichpietsch und Köbis und wahren die Traditionen der Volksmarine-Division als hervorragende Beispiele des Kampfes der Arbeiterklasse gegen Militarismus, Imperialismus und Krieg. Als Zeichen der Repräsentation des ersten deutschen Arbeiter- und Bauernstaates hat der Ministerrat der DDR beschlossen, für Schiffe und Boote der Seestreitkräfte eine besondere Dienstflagge einzuführen. In Würdigung der Verdienste der Seestreitkräfte bei der Festigung unseres Arbeiter- und Bauernstaates und bei der Erhöhung ihrer Verteidigungsbereitschaft hat der Nationale Verteidigungsrat am 19. Oktober 1960 beschlossen, den Seestreitkräften der Nationalen Volksarmee die Bezeichnung „Volksmarine“ zu verleihen und den Schiffen und Booten Namen zu geben.“

… Mit dem Kommando „Hißt neue- holt nieder alte Flagge!“ steigt das rote Banner der Arbeiterklasse mit dem Emblem der DDR auf schwarz-rot-goldenem Grund am Mast empor, und danach wechseln die Matrosen voller Stolz die Mützenbänder aus ….

… Das ehemalige Mitglied der Volksmarine-Division Karl Beier würdigt diesen historischen Augenblick mit folgenden Worten: „Volksmarine – das klingt stolz“, und Karl Artelt, der Rote Admiral von Kiel fügt hinzu: „Es war ein weiter und opferreicher Weg von Kiel bis zu diesem Augenblick. Damals konnte der Militarismus uns noch blutig zusammenschlagen. Heute bestimmt der Sozialismus die Entwicklung unserer Gesellschaft.“ Neben mir stehen Fritz Globig, Karl Beier, Franz Beiersdorf, Karl Artelt – alte Veteranen der Arbeiterbewegung, Mitkämpfer der Novemberrevolution. Sie traten 1918 unter vielen tausend Matrosen, Soldaten und Arbeitern zum Sturm auf Militarismus und Imperialismus an. Ihre Augen füllen sich in diesem Moment mit Tränen. Das sind keine Tränen der Schwäche. In ihnen vermischt sich die Erinnerung an damals, an Kiel, Wilhelmshaven, an die Volksmarinedivision, an den verheißungsvollen Beginn der Revolution, an die Siege, den Verrat, und die schließliche Niederlage mit dem langen Weg bis in die faschistische Barbarei mit dem großartigen Erlebnis des heutigen Tages. Es sind Tränen der Trauer für die Gefallenen und Tränen der Freude, des späten Sieges über den Feind. Alte und junge Matrosen Auge in Auge, rote Matrosen von Kiel und rote Matrosen der Volksmarine der DDR. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unseres Vaterlandes werden bei diesem Bild wach …

… Der Zeitpunkt der Parade ist gekommen. Pünktlich gehen die Schiffe und Boote „Anker – auf!“ und in Kiellinie formiert, fährt eines nach dem anderen, flaggengeschmückt, stolz, Kraft und Stärke unseres Staates ausdrückend, am Flaggschiff vorüber. „Ich begrüße die Volksmarine der deutschen Demokratischen Republik“, tönt es von dort über das Wasser …

Ab 1968 ging mit einer ersten Außerdienststellung die Ära der KSS Projekt 50 langsam zu Ende. Darüber schrieb die

Betriebszeitung des Transformatorenwerkes „Karl Liebknecht“: Der Abschied vom Patenschiff

Dienstag, den 1. Oktober 1968 09.00 Uhr. Das KSS „Karl Liebknecht“ liegt im Hafen von Warnemünde vor Anker und ist über die Toppen geflaggt. Die gesamte Besatzung des Schiffes ist zu einem feierlichen Appell angetreten. Kommandos werden gegeben, Marschmusik setzt ein. Der Chef des Verbandes nimmt die Meldung entgegen, schreitet die an Land angetretene Ehrenformation ab und begibt sich an Bord des Schiffes. In seiner Ansprache würdigt er die Ergebnisse, die von der Besatzung mit dem Schiff seit seiner Indienststellung vor zehn Jahren erzielt worden sind. Er erinnert an die Teilnahme des Schiffes an Manövern und Paraden, an Aufgaben als Flaggschiff bei Besuchen in der Sowjetunion und in der Volksrepublik Polen, auch an Sturmfahrten und die beispielhaften Ergebnisse im sozialistischen Wettbewerb.

Dann wird der Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung verlesen, in dem die Außerdienststellung des KSS „Karl Liebknecht“ angeordnet wird.

Ein Musikkorps der Volksmarine intoniert die Nationalhymne unserer Republik und unter ihren Klängen werden alle Flaggen des Schiffes eingeholt. Dienstflagge und Namensschild werden dem Chef des Verbandes übergeben. Das KSS „Karl Liebknecht“ ist außer Dienst gestellt. Unschwer ist zu erkennen, was die Besatzungsmitglieder in diesen Minuten empfinden, in denen sie Abschied von ihrem Schiff nehmen. Das wird auf einem sich anschließenden Empfang beim Chef des Verbandes deutlich, in dessen Verlauf Obermaaat Hoffmann erklärt: „Wir haben unseren Dienst auf dem KSS „Karl Liebknecht“ gern versehen. Die Besatzung und das Schiff haben bewiesen, daß sie Großes vollbringen können. Die Sturmfahrten haben das Vertrauen zu eigenen Leistungen und zum Schiff gefestigt. Wenn auch nunmehr das Schiff außer Dienst gestellt ist und wir den Namen „Karl Liebknecht“ nicht mehr tragen, so werden wir weiterhin seinem Vermächtnis treu bleiben. Wir alle haben auf diesem KSS für das ganze Leben gelernt und ich hoffe, daß es bald ein neues Schiff „Karl Liebknecht“ geben wird.

Die am Zeremoniell und Empfang teilnehmende Delegation unseres Werkes überbringt der Besatzung die Grüße unserer Belegschaft und spricht ebenfalls die Hoffnung aus, daß es bald ein neues Schiff mit dem Namen Karl Liebknechts geben möge, mit dem ein neuer Patenschaftsvertrag abgeschlossen werden kann.

Der Kommandant des Schiffes, Kapitänleutnant Naumann, erklärte u. a.: „Ich möchte an diesem Tag auch den Gästen aus unseren Patenbetrieb, die die Werktätigen des VEB TRO (Transformatorenwerk Oberspree) „Karl Liebknecht“ vertreten, für die Einflussnahme auf die Erziehung unserer Besatzung danken. Das Vorbild Karl Liebknechts hat uns gemeinsam angespornt. Ich danke auch im Namen der Besatzung für die Möglichkeit von Exkursionen unserer Genossen nach Berlin. Diese Beziehungen haben unser freundschaftliches Verhältnis gefestigt.“

In einer abschließenden Beratung zwischen den Genossen des Schiffes und der Delegation unseres Werkes musste der Patenschaftsvertrag entsprechend der Außerdienststellung des KSS „Karl Liebknecht“ offiziell aufgehoben werden. Es wurde jedoch vereinbart, die bereits geplanten Veranstaltungen bis zum Jahresende gemeinsam durchzuführen.

Am 7. Oktober – zum 19. Jahrestag unserer Republik – weilte bereits eine Delegation verdienstvoller Besatzungsangehöriger bei uns in Berlin. Am 25. Oktober wird eine größere Delegation unseres Werkes, vor allem Jugendliche, nach Warnemünde fahren und gemeinsam mit der alten Besatzung des Schiffes das letzte Bordfest feiern. Schließlich wird am 22. November eine Delegation des Schiffes nach Berlin kommen und an unserem Gewerkschaftsfest teilnehmen.

Gut, daß diese alten Zeitungsartikel noch aufzutreiben waren. Ohne sie wäre das Pr. 50 im Episodenteil dieser Broschüre zu kurz gekommen. Und das haben diese Schiffe und ihre Besatzungen nun wirklich nicht verdient!

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