Zuschrift zum Beitrag „KSS Pr. 50: Unterstellung, Status des Truppenteils und Bordnummern“ (Heft 5)
Helmut Bechert ergänzt den Beitrag aus Heft 5 anhand zeitgenössischer Anordnungen des Chefs der SSK bzw. CVM: die Gruppeneinteilung der KSS-Brigade 1959 in Kampfkern und Kampfreserve, die Unterstellung unter die 1. Flottille 1961, die Status-Veränderung 1962 mit sowjetischen Schiffbau-Nummern sowie die Umbenennung in 4. KSS-Abteilung 1971.
Anmerkung der Redaktion: Im Heft 5 hatten Manfred Kretzschmar und Hans Steike unter der Überschrift „KSS Pr. 50: Unterstellung, Status des Truppenteils und Bordnummern“ versucht, alle unter diese Kriterien fallenden Veränderungen, die der Truppenteil und die Schiffe durchmachten, in der zeitlich richtigen Reihenfolge zu erfassen. Unser kritischer Leser Herr Helmut Bechert aus Berlin übersandte uns dazu noch einige interessante Ergänzungen und schreibt:
Der Blick in zeitgenössische militärische Dokumente der Volksmarine erlaubt wieder einmal eine Aufhellung von Fakten und Einblick in Zusammenhänge von Ereignissen weit zurückliegender Jahre. Die Auffüllung des KSS-Bestandes auf vier Schiffe des Projektes 50 im Oktober 1959, die Auflösung der 6. Flottille zum Ende des gleichen Jahres und die Bildung der KSS-Brigade als neue selbständige Formation zum 1. Januar 1960 hatte nicht nur die bereits beschriebenen Veränderungen der Bordnummern zur Folge, sondern führte auch zu einer neuen Organisationsstruktur innerhalb der Brigade. So bestimmte die AO 86/59 des neuen Chefs der SSK, Konteradmiral Ehm, vom 03.12.1959:
………. III. Der Küstenschutzschiff-Brigade werden unterstellt: Die KS-Schiffe
1. Gruppe Kampfkern 401 1/56 502 3/59 2. Gruppe Kampfreserve 601 2/56 702 4/59
Die zweite Zifferngruppe war ein Vorgänger der Baunummer und bezieht sich auf die Zuführung der Schiffe 1956 bzw. 1959. Wie erkennbar, wurden nunmehr gemischte Gruppen gebildet mit je einem „alten“ und einem „neuen“ KSS. Die taktische Ausbildung im Jahr 1960 war innerhalb der Gruppen u.a. auf den Einsatz des Hauptkalibers zur Unterstützung der TS-Boots-Abteilungen gerichtet. Leistungsvergleiche fanden nicht innerhalb der Gruppen sondern zwischen den Gruppen und nur zwischen Schiffen gleicher Zuführung – so z. B. zwischen dem GA-V der Schiffe 502 und 702 – statt. Die KS-Schiffe führten auch weiterhin „gesonderte Nummern“ mit den Hundertern 4 – 7. Die mittlere Null kennzeichnete KSS und die dritte Ziffer die laufende Nummer des Schiffes in der Gruppe.
Diese Gruppeneinteilung war nur von kurzer Dauer und wurde laut AO 65/60 des CVM zum 1. Januar 1961 mit Unterstellung der KSS-Brigade unter die 1. Flottille geändert:
……….. I. Der 1. Flottille werden unterstellt: Die Küstenschutzschiff-Brigade (operative Unterstellung)
Der Küstenschutzschiff-Brigade werden unterstellt: Die KS-Schiffe
Kampfkern II: 401 S-118 502 S-111 702 S-114 Kampfreserve: 601 S-120
Als Schiffbau-Nummern tauchten erstmalig die sowjetischen auf. Infolge der Modernisierungen in Kronstadt erfolgte mit der Org.-AO 63/61 des CVM mit Wirkung ab 1. Januar 1962 eine erneute Status-Veränderung:
………. IV. Der Küstenschutzschiff-Abteilung werden unterstellt: Die Küstenschutzschiffe
Kampfkern I 502 S-111 „Karl Liebknecht“ 702 S-114 „Friedrich Engels“ Kampfkern II 401 S-118 „Ernst Thälmann“ 601 S-120 „Karl Marx“
Die Gruppeneinteilung erfolgte jetzt einheitlich nach Indienststellungsjahren. Die Werftlieger im Ausland wurden in der Heimat logischerweise als Kampfreserve eingestuft. Als Schiffbau-Nummern kamen – wie schon 1961 - die sowjetischen zur Anwendung. Erst 1966 wurden die Projektnummern 50/1 bis 50/4 als Schiffbau-Nummern eingeführt.
Die Umbenennung in 4. KSS-Abteilung wurde zum 1. Dezember 1971 vollzogen und ist durch die AO 44/71 des CVM vom 6.10.1971 belegt. Zum Zeitpunkt der Umbenennung war der Ist-Bestand der Abteilung ausgewiesen mit:
Küstenschutzschiff 141 50/1 „Ernst Thälmann“ Küstenschutzschiff 142 50/2 „Karl Marx“
Zu diesem Zeitpunkt war für den Zeitraum bis 1975 die Zuführung von einem Küstenschutzschiff (neu) mit Bordnummer 143 in der Planung. Wie bekannt, wurde das erste neue KSS des Projektes 1159 aber erst 1978 zugeführt. Da kein KSS des Projektes 50 in der Volksmarine mehr existierte, war die Bordnummer 141 für die Neuzuführung frei.
— Helmut Bechert, Berlin
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