Stabsmatrose Lifka, der verkannte Betrunkene
Während der Werftliegezeit der „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ 1962 in Kronstadt galt für Matrosen und Maate beim Landgang Alkoholverbot. Stabsmatrose Lifka wurde wegen seines heruntergezogenen Augenlids mehrfach vom sowjetischen Streifendienst als vermeintlich Betrunkener aufgegriffen, bis der Sicherheitsoffizier Kapitän Michailow die Sache klärte.
Hart war die Zeit während unseres Aufenthaltes in Kronstadt, wo die Schiffe „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ 1962 im Trockendock der Werft der Baltischen Rotbannerflotte überholt und modernisiert wurden.
Während des Landgangs mußten wir uns den Vorschriften der Sowjetmarine unterordnen und das hieß für alle „Exkragen-Träger“, also vom Matrosen bis zum Obermaat, Verzicht auf Alkohol. Wer unterwegs dem sowjetischen Streifendienst auffiel, wurde ohne Pardon mit dem Streifenwagen mitgenommen und bei unserem Diensthabenden Offizier abgeliefert. Einem unserer E-Mixer , dem Stabsmatrosen Lifka, passierte dieses Mißgeschick mehrmals hintereinander und jedes mal beteuerte er seine Unschuld.
Da er auch nicht den Eindruck eines Betrunkenen machte, kam der Verdacht auf, daß er vielleicht wegen seines Augenfehlers - sein rechtes Augenlied war stets etwas heruntergezogen - der Streife verdächtig erschien. Und so war es auch! Als einmal der verantwortliche Offizier für Sicherheit, Kapitän Michailow, auf unserem Schiff weilte, stellten wir ihm den Stabsmatrosen vor und die Angelegenheit war geklärt.
Unser E-Mixer wurde nie wieder vom Streifendienst belästigt, ganz gleich wie viel Bier oder Wodka er auch getrunken hatte.
— Lothar Kolditz
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