Anhang 1: Dienst an Bord zur Kaiserzeit (2)
Fortsetzung der Auszüge aus dem 1898 erschienenen Büchlein „Das Kleine Buch von der Marine“ von Dr. Heinrich Schröder und Georg Neudeck, zur Verfügung gestellt von Uli Korn. Wiedergegeben werden die Abschnitte „Schiffsordnung“ (zehn Verhaltensregeln an Bord) und „Routinen“ mit dem detaillierten Tagesablauf der Sommer-, Winter-, See-, Tropen-, Wochen- und Arbeitsroutine der Kaiserlichen Marine.
Uli Korn hat uns ein im Jahr 1898 erschienenes Büchlein zur Verfügung gestellt. Es trägt den Titel „Das Kleine Buch von der Marine“. Verfasser waren ein Dr. Heinrich Schröder, Lehrer an der Kaiserlichen Deckoffiziersschule zu Kiel und ein Herr Georg Neudeck, Kaiserlicher Marine-Schiffsbaumeister. Nachdem wir im Heft 8 bereits mit Ausschnitten des Abschnittes „Rollen an Bord“ begonnen hatten, folgt jetzt die Fortsetzung mit dem Thema „Schiffsordnung“.
Abbildung (Teil 9, S. 49–56): Faksimile der Seiten 101–108 „Der Dienst an Bord“ aus „Das Kleine Buch von der Marine“ (1898); Transkription folgt.
Schiffsordnung.
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Befehle, welche vom Ersten oder wachthabenden Offizier gegeben, zur Kenntnis der Besatzung zu bringen sind, werden vom Bootsmannsmaaten der Wache, nachdem er vorher ein Pfeifensignal gegeben, laut ausgerufen. Sobald daher ein Signal mit der Pfeife ertönt, muss augenblickliche Stille im ganzen Schiff herrschen, damit der gleich hinterher durch den Bootsmannsmaaten der Wache ausgerufene Befehl überall verstanden werden kann. In der Batterie werden die Befehle durch den Feuerwerksmaaten und im Zwischendeck durch den Wachtmeistersmaaten der Wache wiederholt. Jedermann hat sich so einzurichten, dass er die erteilten Befehle hört oder erfährt, und findet die Entschuldigung, dass ein Befehl nicht gehört worden, keine Berücksichtigung.
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Wird „Alle Mann auf!“ gepfiffen, so unterbricht sofort jeder seine Beschäftigung und begiebt sich mit Ruhe und Schnelligkeit auf seine Station. Erfolgt dieses Signal während der Mahlzeit, so bleibt die Backschaft zurück, birgt schnell das Essen und folgt den übrigen.
In der Nacht haben die in den Hängematten liegenden Leute sich schnell in die Kleidungsstücke zu werfen und auf ihre Station zu eilen. Nur bei „Klar Schiff“ und Feuerlärm werden die Hängematten gezurrt (d. i. zusammengeschnürt), an Deck gebracht und verstaut.
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Wenn ein Offizier die Räume betritt, in welchem sich die Mannschaft aufhält, so wird dieses durch das Kommando „Ordnung!“ bekannt gegeben (durch das Stabswacht- oder Feuerwerkspersonal). Hierauf hat sich jeder sofort zu erheben und still zu stehen, bis das Kommando zum Rühren, bezw. Hinsetzen erfolgt. Wird das Kommando „Ordnung!“ nicht gegeben, so darf jeder bei seiner Beschäftigung bleiben.
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Niemand darf ohne Erlaubnis das Schiff verlassen. Urlaub wird bei der Musterung erbeten. Jedermann, welcher an Bord kommt oder von Bord geht, hat sich beim Wachtmeister, beim Bootsmannsmaaten der Wache und beim Fallreepsgefreiten an- und abzumelden.
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Das Achterdeck darf Niemand ohne dienstliche Veranlassung betreten. Auch im Dienst ist, wenn angängig, das Betreten des Steuerbord-Achterdecks oder der Luvseite (d. i. der dem Winde ausgesetzten Seite) zu vermeiden. So müssen z. B. die Leute, welche die Posten am Ruder oder an der Rettungsboje ablösen, sich stets an der Backbord- oder Leeseite dorthin begeben.
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Bei Flaggenparade hat während des Heissens oder Niederholens jede auf dem Oberdeck befindliche Person still zu stehen mit der Front nach der Flagge.
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Das Rauchen ist nur während der Freizeit auf dem Oberdeck und in der Batterie gestattet; im Zwischendeck ist es nie erlaubt. Dabei ist jede Verunreinigung des Schiffes, namentlich auch durch Spucken, verboten. Es sind überall Spucknäpfe aufgestellt.
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Es darf niemand ohne Erlaubnis an seine Kleiderkiste gehen, ausser wenn Zeugflicken oder Umziehen befohlen worden ist. Nach dem Gebrauch ist die Kleiderkiste jedesmal zu verschliessen und an den vorgeschriebenen Platz zu stellen.
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Es ist verboten, sich angekleidet in die Hängematte zu legen, oder Kleidungsstücke in dieselbe einzuzurren, auch darf in der Hängematte nicht geraucht werden. Die ausgezogenen Kleidungsstücke müssen während der Nacht innerhalb der Hängematte aufbewahrt werden, Steerte und Zurrleinen dürfen nicht herabhängen. Die Hängematte muss so hoch hängen, dass man unter derselben durchgehen kann.
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Es ist verboten, sich auf die Kanonen, Lafetten, Reling, Boote oder in die Pforten zu setzen oder sich aus den Pforten hinauszulegen. Aussenbords in den Rüsten und im Fallreep darf sich niemand ohne Befehl aufhalten. Lärmen und Pfeifen ist überall verboten.
Jeder hat sich überall der grössten Reinlichkeit zu befleissigen und peinliche Ordnung zu halten. Wäsche ist nur an den dazu bestimmten Jollen aufzuhängen.
Routinen.
Für den täglichen Dienst an Bord bestehen allgemeine Vorschriften, welche für jede Stunde und Minute genau vorschreiben, wann aufgestanden und zur Ruhe gegangen, wann gegessen wird, wann Freizeit, wann Dienst ist u. s. w. Diese Zeiteinteilung nennt man Routine. Man unterscheidet Tages- (und zwar Sommer- und Winter-R.) und Wochenroutine, Hafen- und Seeroutine, sowie Arbeitsroutine und Tropenroutine.
Während der ersten Zeit nach der Indienststellung eines Schiffes gilt für dasselbe die Arbeitsroutine. Ist die Ausrüstung beendet und sind die Leute in die Hauptrollen eingeübt, so wird das Schiff auf Seeklarkeit besichtigt, bei alleinfahrenden Schiffen durch den Stationschef, bei Schiffen, die einem Verbande angehören, durch den Geschwader- bezw. Divisionschef. Nach dieser Besichtigung tritt die regelmässige Tages- und Wochenroutine in Kraft. Die Tagesroutine für Schiffe, die im Hafen liegen, ist im Sommer in der Hauptsache die folgende:

Um 4 Uhr 10 Min. wird die Nachtwache geweckt und gemustert; sie hat dann das „Sichwaschen“ der ganzen Mannschaft und die Reinigung des Decks vorzubereiten und zu diesem Zweck die nötigen Baljen und Waschgeschirre mit Frischwasser zu füllen und das Reinigungsgeschirr für das Deckwaschen an seine Stelle zu bringen. 4h 50m werden Bootsmann, Feuerwerker und Wachtmeister mit ihren Maaten geweckt, ebenso die Sicherheitswache, welche 5 Minuten später auf dem Backbord-Achterdeck antritt.
5h giebt die Sicherheitswache das Trommel- und Pfeifensignal zum Wecken. Mit dem letzten Schlage des Tambours nach dem Gebet pfeift der Bootsmann mit seinen Maaten das Überall, worauf jeder Mann sofort aufsteht, seine Hängematte zurrt (d. h. zusammenrollt und festschnürt). Die Mannschaften, welche die volle Mittel- oder Hundewache (12—4) gegangen sind, sowie die Seekadetten dürfen bis 6h 40m weiterschlafen. 5h 5m Verstauen der Hängematten, wobei die Hängemattsstauer jede schlecht gezurrte Hängematte zurückzuweisen haben. 5h 10m bis 5h 40m Pause für: „Sichwaschen“, Anlegen des Tagesanzugs, Reinigen des Nachtanzuges u. s. w. Während dieser Zeit darf geraucht werden bis 5h 30m, dann: „Pfeifen und Lunten aus“. 5h 40m Schiffsreinigung und Decke aufklaren; das Personal verteilt sich hierzu nach der Reinschiffsrolle. Die Decks, Boote, auch das Schiff aussenbords werden gereinigt; wenn die Jahreszeit es gestattet, haben die Mannschaften hierzu barfuss an Bord zu erscheinen. 6h 40m werden die Hängematten der Seekadetten durch deren Burschen gezurrt und gestaut. — 6h 50m „Backen und Banken“. Die Backschaften und die Hülfsbackschaften schlagen die Tische und Bänke, die unter Deck angebracht sind, herunter und holen aus der Kombüse (Schiffsküche) den Kaffee zum Frühstück, wozu Butter und Brot von den Backschaften und Hülfsbackschaften mittags empfangen wird. Von 7h bis 7h 40m ist Frühstückspause, während welcher auch geraucht werden darf. Strümpfe und Schuhe sind wieder anzuziehen. 7h 20m werden die Posten abgelöst, damit sie frühstücken. Die Backschaften empfangen vom Bottelier ihren Proviant, von dem sie den für die Mittagsmahlzeit bestimmten Teil dem Schiffskoch zu übergeben haben. 7h 30m melden sich Mannschaften, die sich krank fühlen, beim Wachtmeister, der sie dem Arzt im Lazarett vorzustellen hat. 7h 35m „Pfeifen und Lunten aus“ (es wird aufgehört mit dem Rauchen). 7h 40m Deckaufklaren, d. h. das Reinigen der Decks, Putzen des Messings u. s. w. wird fortgesetzt.

Abbildung (Teil 9, S. 52): 119. Lazarett.
7h 45m ist Musterung der neuen Sicherheitswache, der Boots- und Fallreepsgäste und Wechsel der Wache.
8h Flaggenparade: die Flagge wird von den Signalgästen geheisst, wobei die Sicherheitswache und die Posten auf Oberdeck die vorgeschriebene Ehrenbezeugung (Front nach der Flagge) zu erweisen haben. Auf Kommando des wachthabenden Offiziers wird von allen Mannschaften auf Oberdeck stillgestanden und die Offiziere salutieren die Flagge.
Es folgt dann 8h 10m das Reinigen der Geschütze, 8h 45m das Reinigen der Handwaffen. Dies geschieht korporalschaftsweise unter Aufsicht des Korporalschaftsführers auf eigens dazu ausgegebenen Persennings (wasserdichtem Segeltuch), damit die Decks nicht verunreinigt werden. — 9h Klarmachen (Vorbereitung) zur Musterung, Fegen der Decks.
9h 10m Musterung (Dienstags und Freitags mit Handwaffen). Der Zweck der Musterung ist, festzustellen, ob alle Mannschaften zur Stelle sind, sie auf Reinheit des Körpers und Anzuges u. s. w. zu prüfen, ihnen Befehle und Bestrafungen bekannt zu geben. — 9h 30m bis 11h 30m allgemeine Exercitien, die nur am Sonnabend wegen der grossen Schiffsreinigung („grosses Reinschiff“) ausfallen. Nach Beendigung der Exercitien 11h 30m wird auf den Pfiff „Klar Deck“ das Deck gefegt und aufgeräumt. Um 11h 45m wird zur Vorbereitung des Mittagmahls „Backen und Banken“ (s. vor. S.) kommandiert. Sobald vom Wachtschiff des Hafens der Kanonenschuss (nach dem übrigens auch die ganze Civilbevölkerung der Stadt den Gang ihrer Uhren reguliert) ertönt und die Schiffsglocke 8 Glas (d. h. voll) schlägt, wird auf Kommando des wachthabenden Offiziers von sämtlichen Bootsmannsmaaten das Signal „Alle Mann Mittag“ gegeben. Alle Mannschaften, die nicht dienstlich abwesend sind (für diese wird das Essen aufbewahrt), begeben sich an ihre Back. Zum frischen oder Salzfleisch giebt es entweder Hülsenfrüchte und Kartoffeln oder Backobst und Klösse, oder das Fleisch ist mit Kartoffelbrei zu „Labskausch“ gekocht. Das Essen ist kräftig und reichlich; die Zubereitung wird von dem Kommandanten, dem Ersten Offizier, dem wachthabenden Offizier, dem Schiffsarzte und dem Zahlmeister durch eigenes Kosten geprüft.

Um 12h 30m werden die Posten abgelöst zum Essen, das Backsgeschirr wird auf den dazu bestimmten Persenningen gereinigt. Zugleich mit den ablösenden Posten treten etwaige Strafarbeiter und Strafexerzierer ihren Strafdienst an. Um 1h 45m wird wieder, wie nach jeder Ruhepause, während welcher das Rauchen gestattet ist, das Signal „Pfeifen und Lunten aus“ gegeben. Die Decke werden gefegt, die Händler mit Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen, die mit Beginn der Pause in ihren „Bumbooten“ an Bord gekommen sind, müssen das Schiff verlassen.
Von 2 bis 4h ist Divisionsdienst (Kleindienst, Gewehrschiessen, Musterung mit Kleidungsstücken u. s. w., Dienstunterricht u. a.)
Um 4h ist wieder „klar Deck“, d. h. die Decke werden aufgeklart und gefegt, darauf tritt eine kurze Pause ein. Von 4h 30m bis 5h 30m ist Dienst, in der Regel allgemeine Exerzitien, Manöver (Übungen in den verschiedenen Rollen) oder Unterricht in der Dienstkenntnis (Instruktion). Um 5h 30m ist der eigentliche Dienst beendet, es wird „Klar Deck“ gemacht; die Boote, die keine Verwendung mehr finden, werden geheisst, die Geschütze erhalten ihre Bezüge, damit sie nicht durch die Feuchtigkeit der Nacht leiden, und die Mannschaften ziehen sich für die Nacht wärmere Kleidung an.
5h 50m „Backen und Banken“, wie vor dem Frühstück und dem Mittagsessen, und um 6h Abendessen (Thee und Butterbrot), von da an Freizeit, während welcher auch die Kartoffeln für den folgenden Tag geschält werden.
Mit Sonnenuntergang wird die Flagge niedergeholt und die Bug- und Hecklaterne geheisst. Auch zu dieser Flaggenparade müssen wie bei der des Morgens um 8 Uhr die Sicherheitswache und das Signalpersonal antreten.
7h 30m müssen die Bumboote, die mit Beginn der Freizeit an Bord gekommen sind, das Schiff verlassen, die Backen werden hochgeschlagen, die Decke gefegt. Um 7h 40m werden die Hängematten der Fähnriche an deren Burschen, 10 Minuten später die der Mannschaften ausgegeben und sofort an den vorgeschriebenen Schlafplätzen aufgehängt. Die Nachtwache, welche um 8h gemustert wird, darf keine Hängematte benutzen, sondern muss sich an einem besonderen Platze, von dem sie leicht an Deck kommen kann. schlafen legen.
Um 8h 50m werden die Decke nochmals gefegt, Pfeifen und Lunten in den unteren Schiffsräumen ausgemacht, da während der Nacht das Rauchen nur an Deck gestattet ist. Um 9h wird der Zapfenstreich von dem Spielmann der Sicherheitswache geschlagen, bezw. geblasen, wozu die Wache unter dem Kommando des wachthabenden Offiziers angetreten ist. An den Zapfenstreich schliesst sich das Gebet, wobei im ganzen Schiff Ruhe herrscht und alle, die an Deck sind, die Mütze abnehmen. Dann ertönt der Kommandopfiff „Ruhe im Schiff“, und nirgends an Bord darf mehr gesungen oder gelärmt werden.
Um 9h 10m geht der Erste Offizier mit sämtlichen Detail-Deckoffizieren (Feuerwerker, Bootsmann u. s. w.) sowie dem Wachtmeister und Pumpenmeister (Feuermeister) die Hauptronde, um nachzusehen, ob alles für die Nacht in Ordnung ist, die Vorratsräume geschlossen sind und nur an erlaubten Orten noch Licht brennt. Bei den Kombüsen (Schiffsküchen) haben die Köche oder Kochsmaate „Feuer gelöscht“ und „Kombüse rein“ zu melden. Nach dem Rondegang giebt der Erste Offizier die Befehle für die Nacht und den folgenden Tag aus.
Im Winter müssen natürlich wegen der kürzeren Tage manche Verschiebungen in der Tageseinteilung eintreten; sie finden ihren Ausdruck in der Winterroutine im Hafen.
Die Grundlage bildet auch hier die soeben weiter ausgeführte Sommerroutine, von der sie in folgenden Punkten abweicht:
Das Wecken findet eine Stunde später statt, also um 6h, Frühstück um 6h 50m (10 Min. früher), Flaggenparade um 9h (1 Stunde später), der gesamte Dienst am Nachmittag fängt ½ Stunde früher an und hört ebenso ½ Stunde früher auf.
Der tägliche Dienst in See richtet sich nach der Seeroutine. „Wecken und Überall“, Flaggenparade und Zapfenstreich fallen weg, ebenso Sicherheitswache und Fallreepsgäste; dagegen geht die Mannschaft, je nach der Grösse des Schiffes in 2—4 Wachen geteilt, Tag und Nacht Wache bei meist vierstündlichem Wechsel. Die Wache hat die Leute für alle Posten, Ausgucks, zur Bedienung des Ruders (Steuers), der Signale, zum Loten und Loggen zu stellen und eine Rettungsbootsmannschaft unter einem Bootssteurer stets klar zu halten. Die Mahlzeiten werden auch in See in der Regel von der ganzen Mannschaft gleichzeitig eingenommen, wenn nicht schlechtes Wetter eine Teilung hierfür nötig macht. Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang brennen die Positionslaternen (an Steuerbordseite [rechts] eine grüne, an Backbordseite [links] eine rote, und wenn gedampft wird, am Fockmast die Dampferlaterne), auch sind dann Nachtposten ausgestellt.
Für die Tropen, wo wegen der starken Hitze die Exerzitien nicht am Tage ausgeführt werden können, gilt eine besondere Tropenroutine, welche die Exerzitien auf die kühleren Morgen- und Nachmittagsstunden verlegt.
Ausser diesen Tagesroutinen für den regelmässigen täglichen Dienst giebt es noch Wochenroutinen für Hafen und See, welche den regelmässigen Dienst an den einzelnen Wochentagen festsetzen, für das grosse Reinschiff am Sonnabend, Zeug-, Hängemattenwäsche u. s. w.
Die Arbeitsroutine, nach welcher die Exerzitien ganz wegfallen, das Frühstück bereits um 6h 30m eingenommen wird, die Musterung erst um 11h 40m, zwischen Frühstück und Musterung sowie des Nachmittags von 1h 30m bis 5h 30m Arbeitsdienst ist, tritt in Kraft bei der Aus- und Abrüstung des Schiffes, beim Malen, bei Übernahme grösserer Mengen von Proviant, Kohlen u. s. w., kurz dann, wenn eine grössere Arbeit schnell erledigt werden muss.
Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, wie sehr in der Marine die Mannschaften an Ordnung und Pünktlichkeit gewöhnt werden, wie sehr die Zeit ausgenutzt wird, ohne jedoch den Leuten die nötige Zeit zur Ruhe und Erholung zu versagen.
— Ulrich Korn (aus: Schröder/Neudeck, „Das Kleine Buch von der Marine“, 1898)
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