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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Rees in der O-Messe (3. Fortsetzung)

KSS-Broschüre Teil 10Zeit: 1950er–1960er Jahre

Sammlung kleiner Anekdoten aus den Offiziersmessen der KSS: die versehentlich gebunkerte Diesellieferung der MLR in Sassnitz, das Auflaufen der „Ernst Thälmann“ auf die Mole während Fernsehaufnahmen, Kurt Urmoneits „Relings-Wache“, die Polsterei, die vom Ulbricht-Besuch vorab wusste, das gestohlene Schaf der LPG Samtens und der LI beim Manöver „Mann über Bord“.

Seit Teil 3 unserer KSS-Broschüre hatten wir unter der Überschrift „Rees in der O-Messe“ begonnen, kleinere Episoden niederzuschreiben, die keine ganze Geschichte hergeben aber beim Plausch in den O-Messen von Generation zu Generation phantasievoll weiter ausgeschmückt, ständig wieder auftauchten. Das hatte sich in Heft 4 und 5 fortgesetzt. Dann musste mangels geeigneten Materials eine schöpferische Pause eingelegt werden. Nun liegen wieder einmal einige Zuschriften, Berichte und Tipps vor, so dass es für einen neuen, kurzen Beitrag reicht.

Von einer Treibstoff-Übernahme in Sassnitz berichtet Uli Korn folgendes: Sonntagvormittag in der O-Messe. Ein warmer Frühsommertag. Die wenigen an Bord verbliebenen Offiziere beschäftigen sich mit „Rees an Backbord”. In die Ruhe platzt die Aufforderung eines Reichsbahnvertreters, endlich den Diesel vom Kesselwagen zu übernehmen, der dem KSS gegenüber auf den Gleisen stand. Rolf Backofen, damals E.-Ingenieur an Bord der 1-62 und einziger anwesender Offizier des Maschinen-Abschnitts trommelt seine Pumpenhansels zusammen und eins-drei-fix ist die Ladung in den Bunkern des KSS verschwunden. Einige Tage später vermissen die MLR der 3. Flottille eine avisierte Diesellieferung, Treibstoff für einige Wochen. Genau den hatten wir an jenem Sonntag gebunkert. Das war noch die Zeit, in der es keine präzisen Übernahmevorschriften gab. Der arme Rolf hat lange gegen den Regressbescheid gekämpft. Er hat wohl aber doch einige Märker bezahlen müssen.

Öfter wurde auch von einem besonderen Manöver des Schiffes „Ernst Thälmann“ im Hafen Sassnitz berichtet, für das ein Kapitänleutnant Kr. (genannt Krischa) als Kommandant in Vertretung verantwortlich zeichnete. Es war am Vortag des 1. März und es ging um Aufnahmen für das Fernsehen der DDR. Der Beitrag sollte einen Tag später, am „Tag der NVA“ in der „Aktuellen Kamera“ gesendet werden. Dazu manövrierte das Schiff im Hafen und mehrere Kamera-Teams an Bord bemühten sich, ordentlich „Action“ einzufangen. Regisseur und ein Team waren auf der Brücke postiert. Der Kommandant in Vertretung schmetterte seine Maschinen- und Ruderkommandos. Die Kamera hatte ihn in Nahaufnahme eingefangen. Das Schiff machte zügig Fahrt zurück. Die Kamera war in Erwartung des nächsten Kommandos immer noch auf den Kapitänleutnant gerichtet. Als er das bemerkte, rückte er sich noch einmal ordentlich in Pose. „Ja, genau so bleiben!“, kam es vom Regisseur. Die Kamera surrte und surrte – da gab es einen gewaltigen Bumms. Nicht nur auf der Brücke purzelten Personal und Fernsehtechnik wild durcheinander. Das Schiff war auf die Mole aufgelaufen. Vor lauter Posieren hatte Kr. die Abstandsmeldungen von der Schanz einfach überhört und versäumt, das Schiff rechtzeitig aufzustoppen. Gar nicht lustig war der Schaden. Das zerbeulte Heck musste in der Werft repariert werden..

Wer kennt noch die von Kurt Urmoneit zusätzlich organisierte „Relings-Wache“? Der Stützpunkt Warnemünde war vereist. Wie üblich haben die Backschafter ihre Abfälle (Nudeln, Kartoffelschalen etc.) nach außenbords entsorgt. Um das Schiff herum sah es schlimmer aus als bei Hempels unter dem Sofa. Das ging dem Kommandanten gegen den Strich und in seiner bekannten rollenden Tonart ging ein heftiges Donnerwetter auf die Besatzung nieder. Ergebnis war ein zusätzlicher Dienst genannt „Rrrrelings-Wache“. Das bedeutete, dass eine Menge Leute zusätzlich Wache standen, um die Übeltäter – einfacher gesagt: sich selbst – zu überführen. Das Ergebnis war das gleiche wie beim Hornberger Schießen. Was selten vorkam: Kurt gab auf:

Geheimhaltung wurde in der Flotte ja immer groß geschrieben. Nur klappte es nicht immer so, wie gedacht. Kommt eines Tages überraschend die PGH Polsterei Bergen in Sassnitz an Bord eines KSS. Vom Diensthabenden zum Kommandanten gebracht, fragt der: „Was wollen Sie den hier?“ Antwort: „Na, das Sofa in der Kommandantenkammer soll doch neu gepolstert werden.“ Kommandant: „Unsinn, diesen Auftrag habe ich nie ausgelöst“. Polsterer zum ziemlich fassungslosen Kommandanten: „Es ist ja auch nicht für Sie. Aber schließlich kommt Ulbricht auf ihr Schiff!“ Da wusste doch die PGH doch schon etwas, was man den KSS-Besatzungen noch als großes Geheimnis vorenthalten hatte und das sich später tatsächlich bewahrheiten sollte.

Karl-Heinz Kremkau erzählte aus seiner Kommandantenzeit, dass eines Tages (besser nachts) leicht alkoholisierte Landgänger von der Weide der LPG Samtens ein Schaf geklaut hatten. Wie auch immer – sie hatten es damit tatsächlich bis zu ihrem Schiff geschafft. Ziel der Schnaps-Aktion: Das Schaf sollte in der Kombüse geschlachtet und dann der Bordverpflegung zugeführt werden. Dieser ruchlose Plan wurde durch den Einsatz der Schiffswache verhindert und das gerettete Schaf für den Rest der Nacht am Liegeplatz angebunden. Nach Beichte der Übeltäter konnte es zusammen mit einer Entschuldigung des Kommandanten wieder der LPG übergeben werden. Die Diebe wurden wegen Schädigung des Ansehens der NVA in der Öffentlichkeit zur Verantwortung gezogen.

Dass ein Vorgesetzter auch einmal berechtigte Kritik seiner Unterstellten schlucken muss, beweist folgende Begebenheit. KSS ist in See und die Wachoffiziere üben das Manöver „Mann über Bord“. Dazu wurde eine Boje außenbords geworfen und sollte so schnell wie möglich wieder gefischt werden. Der LI hatte gerade einen Abstecher zur Brücke gemacht und beobachtete interessiert die Handlungen der WO’s. So schwierig sieht das doch gar nicht aus, denkt er bei sich. „Willst du auch mal?“ fragte der Kommandant. Das lässt sich der LI nicht zweimal sagen. Und schon geht es los! Aber das Schiff zeigt sich doch störrischer als gedacht. Die Ruder- und besonders die Maschinenmanöver überschlagen sich. An den Turbinenfahrständen kommen die Fahrmaate ordentlich ins Schwitzen und der Wachingenieur kann über das ständige Vor- und Zurück und die Fahrtstufenwechsel nur noch mit dem Kopf schütteln. Als der LI mit stolz geschwellter Brust ob seiner seemännischen Leistung, wieder auf dem BS-V erscheint, holt ihn der WI ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück, indem er sich heftig über „die da oben“ und deren irrsinnige Manöver beschwerte. Ob der LI den Sachverhalt aufgeklärt hat, ist nicht überliefert.

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