Olympischer Rekord
Klaus Martin, GA-IV-Kommandeur der „Rostock“, erwischt bei der ersten U-Boot-Zusammenarbeit im Tauchgebiet bei Bornholm das GIS-Personal um Obermaat Hinze dabei, wie es mit Stoppuhr und Bleistift akribisch festhält, wie oft und wie schnell Kommandant Günter Senf zwischen Brücke und Hydroakustik-Tochterstation hin- und herflitzt – eine olympiareife Laufleistung.
Irgendwo im Tauchgebiet bei Bornholm. Das erste Mal arbeitete die „Rostock“ mit einem U-Boot zusammen. Gefechtsbereitschaftsstufe 2, fast alle Gefechtsabschnitte hatten mal Pause, nur das U-Jagd-Kommando war in Aktion und der monotone Klang der hydroakustischen Anlage war zu hören. Im GA-I wurden die Werte vom Hydroakustiker übernommen und in der Karte ausgewertet. Der Kommandant Günter Senf ließ das U-Boot nicht mehr entwischen.
Als GA-IV-Kommandeur wollte ich die Pause nutzen und noch einiges für die bevorstehende Funkmeß-Waffenleitübung vorbereiten und betrat den HBS. Doch was war das? Am Planchett des GIS (eigentlich Gefechtsinformationsstand aber von vielen an Bord respektlos „Biertisch“ genannt ) herrschte reges Treiben. Es wurde gerechnet, gezählt, leise diskutiert. So aktiv hatte ich die Truppe um Obermaat Hinze noch nie erlebt. Wollten die sich auch für die kommende Übung fitmachen? Doch dann hörte ich unterdrücktes Kichern und wurde misstrauisch. Natürlich wollte ich als GA-Kommandeur wissen, was da ablief. Nach einigem Herumdrucksen kamen sie mit der Wahrheit heraus: Sie hatten beim morgendlichen Reinschiff die Strecke vom Kommandantenplatz auf der Brücke bis zur Tochterstation der hydroakustischen Anlage auf dem HBS vermessen, sich mit Stoppuhr und Bleistift bewaffnet und dann akribisch nachgezählt, gestoppt und festgehalten, wie oft und wie schnell der „Alte“ zwischen diesen beiden Punkten hin und her flitzte. Und nun waren sie gerade dabei, diese Werte aufzubereiten und in Tabellenform zu bringen.
Innerlich musste ich schmunzeln, aber etwas Gutes für unseren GA sollte auch herausspringen. Mit gespielt strengem Ton versprach ich ihnen, sie nicht an den Kommandanten zu „verfüttern“, wenn sie die anschließende Übung mit dem gleichen Eifer absolvierten wie die Bestimmung der Bewegungselemente ihres Kommandanten. Wir ereichten dann wirklich ein hervorragendes Ergebnis. Und wer einmal Günter Senf bei der Arbeit am U-Boot erleben konnte, der wird sich vorstellen können, dass seine Laufleistung mindestens olympiareif gewesen wäre. Leider wurde das Ergebnis der dazu angestellten Recherchen des GIS-Personals nie veröffentlicht.
— Klaus Martin
Verwandte Beiträge
- Klaus MartinTeil 5
- Klaus MartinTeil 8
- Klaus MartinTeil 10
- Hans SteikeTeil 2
- Dieter BallwanzTeil 4
- Klaus MartinTeil 6
