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title: "Was man an Bord so erleben konnte"
autoren: ["Hans Benthin"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 8"
projekte: ["50", "1159"]
zeitraum: "1986"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t08-was-man-an-bord-so-erleben-konnte"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Was man an Bord so erleben konnte

> Zwei kurze Borderlebnisse von Hans Benthin: Bei der Geschwaderfahrt der Verbündeten Ostseeflotten 1986 auf dem sowjetischen Führerschiff hatte sich eine Maus an der Mettwurst des Kammernachbarn gütlich getan, und in einer Hundewache entpuppten sich rätselhafte Geräusche im Verkehrsgang als das Schnarchen des Politstellvertreters Klaus Ockert.

### Die pelzige Überraschung

Ungebetene Gäste an Bord waren nichts Außergewöhnliches. Ich meine hier weniger die zweibeinigen als viel mehr die vier- und sechsbeinigen. Die Älteren unter uns, die Saßnitz noch erlebt hatten, erzählten oft von der dort herrschenden Rattenplage. Selbst Abweisbleche auf den Leinen konnten nicht verhindern, dass sich manchmal so ein Tierchen auf das Schiff verirrte. Mit Kakerlaken hatten sowohl die Besatzungen der Pr. 50 als auch die der Pr. 1159 zu kämpfen. Da half nur regelmäßiges Begasen des gesamten Schiffes. Aber zuletzt hatten die Kakerlaken wohl auch so etwas wie eine Organisation zum Schutz vor MVM, vielleicht auch schon kleine Schutzmasken, denn nur wenige Tage nach dem Gasangriff waren die ersten munteren Tierchen wieder zu beobachten. Doch solch unangenehmen Gäste an Bord waren wohl ein internationales Problem.

1986 hatte ich die Möglichkeit an der Geschwaderfahrt der Verbündeten Ostseeflotten teilzunehmen, dazu noch auf dem Führerschiff des Geschwaders, einem Schiff der Baltischen Rotbannerflotte. Dies war ein absoluter Höhepunkt in meiner Dienstzeit. Einer der Stellvertreter des Stabschefs des Geschwaders und ich waren zusammen in einer Kammer untergebracht. Mein Mitbewohner hatte gut vorgesorgt. Ich selbst war gar nicht auf den Gedanken gekommen, zusätzliche Verpflegung mitzunehmen. Eigentlich war das auch gar nicht notwendig. Er jedenfalls hatte sich eine dicke Mettwurst als ganz persönlichen Mittelwächter eingepackt.

Wachablösung – nach dem obligatorischen Treffen in der O-Messe ging es ab in die schwach beleuchtete Kammer. In Erwartung seines zweiten Mittelwächters lief meinem Kameraden wohl schon das Wasser im Mund zusammen. Ein schneller Griff in die unter dem Schreibtisch stehende, offene Tasche. Oh, welch ein Schreck! Entsetzt fuhr die Hand wieder zurück. Sie hatte irgendetwas Warmes, Pelziges berührt. Da saß doch irgendjemand in der Tasche und hatte sich unerlaubt an der Wurst gütlich getan. Der Räuber – ein kleines Mäuschen - war wohl selbst zu Tode erschrocken. Empört quiekend entwich es aus der Tasche und verschwand blitzschnell und unauffindbar in der unübersichtlichen Kammer. Fazit: Der Appetit war beiden vergangen. Ungeklärt blieb, was aus der Wurst geworden ist, wer sie letztlich gegessen oder gefressen hat.

### Die kleine Nachtmusik

Der Stab der KSS-Abteilung war zu einem Ausbildungsabschnitt in See an Bord eingestiegen. Klaus Ockert (leider viel zu früh verstorben) hatte in diesem Zeitraum die Funktion des Politstellvertreters des Schiffes von Peter Müller übernommen.

Es geschah in der so genannten Hundewache (Wache von 00.00 bis 04.00 Uhr). Ich ging von Gefechtsstation zu Gefechtsstation und munterte die Bedienungen mit einem kleinen Plausch auf. So gegen 02.00 Uhr wollte ich mich dann selbst zur Ruhe begeben. Im Hauptverkehrsgang angelangt, stutzte ich. Seltsame, ziemlich lautstarke, noch nie gehörte Geräusche waren zu vernehmen. Irgendeine Störung an der Technik? Ein vibrierendes Ventil? Kratzgeräusche eines schleifenden Lüfters? Ich suchte den ganzen Verkehrsgang ab, konnte die Ursache aber nicht finden. Eines stand fest: je näher man dem Offiziersdeck kam, desto lauter wurden die Geräusche. Schließlich führte mich die Suche geradewegs zu der Kammer, in der Klaus und ich untergebracht waren. Als ich die Kammertür öffnete, überfielen mich Schnarchgeräusche in nie gehörter Vielfalt und Stärke. Wenigsten war das Rätsel gelöst und meine Sorge wegen unklarer Technik völlig unbegründet.

Schade war nur, dass bei diesem einmaligen Konzert interessierte Zuhörer fehlten. Auszuschließen war allerdings nicht, dass sich auch in den Nebenkammern einige Offiziere ob der ungewöhnlichen Geräusche schlaflos in ihren Kojen wälzten. Später erfuhr ich dann, dass Klaus im Stab für diese Eigenart „gefürchtet“ war. Hatte er bei Anwesenheits-Dienst doch nachts schon so manchem Diensthabenden der Abteilung wertvolle Minuten seiner kurzen Schlafenszeit geraubt.

— Hans Benthin
