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title: "Ausbildung zur U-Boot-Abwehr auf KSS"
autoren: ["Hans Steike"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 5"
projekte: ["50", "1159", "133.1"]
zeitraum: "1958–1990"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t05-ausbildung-zur-u-boot-abwehr-auf-kss"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Ausbildung zur U-Boot-Abwehr auf KSS

> Hans Steike beschreibt die Ausbildung zur U-Boot-Abwehr auf Küstenschutzschiffen: die Arbeit der U-Jagd-Kommandos im U-Jagd-Kabinett „Ataka“, die Geschichte der drei Kabinette der Volksmarine, die Gliederung der Gefechtsausbildung in allgemeine, Spezial- und taktische Ausbildung mit den Einzelschiffs-Aufgaben B-1 bis B-3 und Verbandsaufgaben V-1 und V-2 sowie die vier UAW-Aufgaben. Als Beispiel wird der vollständige Inhalt der Aufgabe UAW-3 mit Bewertungsvorschriften (Feuerkoeffizient, taktischer Koeffizient, Fehlertabelle, Tabelle 7) aus der Originalvorschrift wiedergegeben.

Der Raum ist durch schwarze Vorhänge vor den Fenstern abgedunkelt. Nur an einer Wandseite liefert eine tief über einen schmalen Tisch herabgezogene Schreibtischlampe ein schwaches Licht. Auf einer großen, quadratischen Leinwand sind merkwürdige Zeichen zu sehen. Etwa in der Mitte der Leinwand liegen auf einer unsichtbaren waagerechten Linie drei Keile, ein roter, ein grüner und ein weißer, zwischen ihnen gleich große Abstände. Die Keilspitzen zeigen nach oben. Um jede Spitze bewegt sich in Intervallen ein sich fächerartig wie eine Welle ausbreitender Kreisbogen, ausgelöst und begleitet durch einen eigenartig nachhallenden Klang. Die Farbe dieses Bogens entspricht der Farbe des zugehörigen Keiles. Irgendwann läuft die Welle aus. Eine kleine Pause vergeht, dann beginnt der Vorgang von neuem, nur, dass der Bogen inzwischen geschwenkt hat und die Welle in eine neue Richtung läuft. Auf diese Weise tasten die Fächer eine Fläche von etwa 180 Grad um die Keile ab: von vorn bis 90 Grad nach rechts, dann wieder zurück über die Keilspitze bis 90 Grad nach links und dann wieder nach vorn. Wären da nicht diese streng geometrischen Symbole, erinnert das ganze an die Tentakel von Korallen, die den Raum um sich nach Verwertbarem absuchen. Schaut man genau hin, läuft die Linie der Keile auf der Leinwand langsam nach oben auf ein anderes Symbol zu. Es sieht wie ein auf einer Seite schräg abgeschnittenes Rechteck aus, ist blau und bewegt sich von rechts nach links. Dieses Zeichen ist bekannt. Laut Vorschrift „Taktische Zeichen und Abkürzungen“ werden so auf Karten gegnerische U-Boote dargestellt.

Inzwischen hat sich das Auge etwas an die Dunkelheit gewöhnt. Vor der Leinwand sind mehrere leere Stuhlreihen zu erkennen. In der letzten Reihe sitzen zwei Gestalten. Eine weitere blättert unter dem Lichtkegel der Lampe in einem Signalbuch. Schreibzeug für Notizen liegt ebenfalls bereit. Plötzlich eine Stimme aus der hinteren Stuhlreihe: „Das dauert mir alles etwas lange. Schade um die Zeit. Genosse Schmidt, fahren Sie das U-Boot doch auf etwa 20 Kabel an die Schiffe ran.“ Jemand verlässt den Raum und kurz danach rutscht das blaue U-Boot-Symbol auf der Leinwand nach unten auf die Keile zu. Dann nimmt es seine Bewegung von rechts nach links wieder auf. Immer weiter nähert sich die Linie mit den drei Keilen der Kurslinie des U-Bootes an. Wir befinden uns im Auswerteraum des U-Jagd-Kabinettes „Ataka“.

Die Volksmarine verfügte über drei solcher Kabinette. Der Anstoß dazu kam von einer gemeinsamen UAW-Ausbildung in Swinouscjie im Jahre 1958. Den Teilnehmern von Seiten der DDR-SSK wurde von sowjetischen Spezialisten das dortige Kabinett vorgestellt. Der damalige Oberleutnant zur See Günter Krause wurde mit einer Studie beauftragt. Es dauerte aber noch bis Mitte der 60iger Jahre, ehe an der OHS in Stralsund als Import aus der SU die erste eigene Einrichtung zur Verfügung stand. Das genaue Datum konnte leider nicht recherchiert werden. Auch das Marinemuseum Dänholm konnte in dieser Sache nicht weiterhelfen. Fakt ist, dass bis dahin die U-Jagd-Kommandos der in Saßnitz stationierten KSS ein ähnliches Kabinett nutzen konnten, das der ebenfalls in Saßnitz liegenden sowjetischen U-Jagd-Abteilung in deren Dienststelle zur Verfügung stand. Nachdem 1965 KSS nach Warnemünde verlegt wurde, stand anfangs weiterhin nur die Stralsunder Lösung zur Verfügung. Dann –es könnte etwa 1973 gewesen sein - erhielt die 1. Flottille in Peenemünde ebenfalls ein solches Kabinett. Nun konnte es vorkommen, dass die OHS-Anlage wegen jährlicher Wartung, vielleicht auch wegen Störung, unklar war. Dann reisten die U-Jagd-Kommandos der 4. Flottille nach Peenemünde. Wenn dort 09.00 Uhr Beginn der Kabinettsausbildung geplant war, hieß das bereits gegen 06.00 Abfahrt per Bus ab Stützpunkt Warnemünde. Der Tag war lang, denn nach Ausbildungsschluss mussten noch drei Stunden Rückfahrt absolviert werden. Erst im Frühjahr 1978 erhielt Warnemünde ein eigenes Ataka-Kabinett. Alle Anlagen waren so ausgelegt, dass in vier speziell eingerichteten Räumen gleichzeitig drei U-Jagd-Kommandos und eine U-Boot-Besatzung ausgebildet werden konnten. Da es in der Volksmarine keine U-Boote gab, übernahm letztgenannte Rolle meist das Kabinettspersonal.

Solange in der Volksmarine nur hydroakustische Anlagen mit Schrittsuch-Verfahren und reaktive Werfer vom Typ RBU-1200 gefahren wurden, gestatteten die U-Jagd-Kabinette eine ziemlich reale Ausbildung. Da sich an Bord die RBU 1200 nur nach der Höhe und nicht nach der Seite richten ließen, musste in der Realität das Schiff genau auf dem Schießkurs liegen, bevor die Salve ausgelöst werden konnte. So war auch das Kabinett konzipiert. Mit der Einführung der KSS Pr. 1159 und Pr. 133 machten sowohl die U-Boot-Ortung als auch die UAW-Bewaffnung einen qualitativen Sprung:

- Die hydroakustische Anlage MG-322T arbeitete im Panorama-Verfahren. Damit war der gesamte Unterwasserraum um das Schiff gleichzeitig unter Beobachtung. Bei der Schrittsuche war es immer nur ein begrenzter Sektor gewesen. Die Ortungs-Reichweite nahm etwa um das Doppelte zu.
- Die Reichweite der UAW-Bewaffnung verfünffachte sich und automatisches Nachladen der Werfer vom Typ RBU-6000 gestattete Wiederholungsangriffe in kurzer Zeit.
- Da sich die neuen Werfer auch nach der Seite richten ließen, konnte das UAW-Schiff auf beliebigem Kurs die Salve auslösen.
- Leistungsfähige UAW-Waffenleitanlagen steuerten den RBU- und den Torpedo-Einsatz.

Die Veränderungen waren so gewaltig, dass die vorhandenen Kabinette mit ihrer analogen und kompliziert vernetzten Rechen-Technik nicht auf diese neuen Bedingungen hin modernisiert werden konnten. Die Ausbildung im Kabinett war zwar weiterhin möglich, es mussten aber viele Abstriche und Provisorien in Kauf genommen werden. Der große Vorteil war nach wie vor, dass man an Land mit einem „U-Boot“ arbeiten konnte. Und auch wichtig: Im Prinzip trainierte man im Kabinett jetzt ständig eine Reservevariante des Waffeneinsatzes, nämlich den Ausfall der Waffenleitanlagen. Da in einer militärischen Auseinandersetzung durch die Waffeneinwirkung des Gegners immer mit Schäden am eigenen Schiff gerechnet werden muss, hatte das durchaus seine Bedeutung. Für das Training der Hauptvariante des Einsatzes der UAW-Bewaffnung war für die KSS Pr. 1159 und 133 bei jedem Seeaufenthalt eine viel effektivere Ausbildung der U-Jagd-Kommandos möglich als im Kabinett: Die Anlage MG-322T verfügte über einen eigenen U-Boot-Imitator.

Aber zurück zu den Männern, die gerade im Kabinett arbeiten. Über einen Flur erreicht man vom Auswertesaal aus die Räumlichkeiten für die Besatzungen. Hier ist es schön hell. Alle für die U-Jagd-Kommandos vorgesehenen Räume sind gleich eingerichtet. An der Fensterfront befindet sich so eine Art kleine Kommandobrücke – der Arbeitsplatz für Kommandant und Rudergänger. Die für die Schiffsführung notwendigsten Geräte sind vorhanden: Kreiseltochter, Radargerät, ein angedeuteter Maschinentelegraf, Log und ein kleines Steuerrad. Mit Hilfe des Radargerätes kann der Kommandant die Lage der anderen Schiffe nach Peilung und Entfernung kontrollieren An der Wand rechts von der Brücke ist ein Rekorder zu erkennen. Er kann hydroakustische Signale auf einem Papierband als fortlaufend aufgezeichnete Trasse sichtbar machen. An einem Tisch unter diesem Gerät sitzt der GA-III-Kommandeur, vor ihm Vorschriften mit aufgeschlagenen Tabellen. An der Wand gegenüber steht dem GA-I-Kommandeur ein Mini-Koppeltisch zur Verfügung. Über die gesamte Tischfläche ist Millimeterpapier ausgebreitet. Kursdreiecke und Manöverspinnen zum Bestimmen des Kurses und der Geschwindigkeit von Zielen liegen bereit. Eine Kreiseltochter vervollständigt diesen Arbeitsplatz. In der Ecke neben der Eingangstür steht das Bedienelement einer hydroakustischen Anlage mit allen Schaltern, Knöpfen und Skalen, die den Hydroakustikern auch von den Bordanlagen bekannt sind. Auf einer Kompassrose in der Mitte dieser Anlage wird durch einen Zeiger die jeweilige Stellung des Suchkopfes markiert. Er zeigt gerade Backbord querab und der aus dem Auswerteraum schon bekannte, nachhallende Klang ertönt auch hier: ein hydroakustischer Impuls breitet sich aus. Er trifft auf kein Hindernis und verhallt. Der Hydroakustiker wartet noch einen zweiten Impuls ab und dreht dann über ein Handrad den Suchkopf um 15 Grad nach voraus, bevor erneut ein Impuls gesendet wird. So geht das nun schon minutenlang. Da in diesem Raum vorläufig nichts Spannendes passiert, kehren wir in den Auswertesaal zurück.

Offensichtlich stellen auf der Leinwand die drei Keile die arbeitenden Schiffe dar und die sich bewegenden Fächer sind nichts Anderes als die Suchsektoren der Hydroanlagen. Jetzt richtet sich der Suchsektor des rechts außen liegenden Schiffes genau auf das U-Boot-Symbol. Die Entfernung ist so geschrumpft, dass die Welle dieses erreicht. Dabei gibt es kurz nach dem uns schon bekannten Klang einen neuen Ton: ein hartes metallisches „Klick“. In ganz kleinen Schritten tastet der Fächer nun diesen Bereich ab. Plötzlich läuft keine Welle mehr nach außen und nur ein kratzendes Rauschen ist zu hören. „Er hat auf Geräuschpeilung zur Kontaktklassifizierung umgeschalten“, kommentiert eine Stimme vom Schreibtisch aus. Nach wenigen Sekunden schaltet das Schiff wieder auf Echopeilung um. Dann eine Meldung über Lautsprecher in Signalbuch-Russisch: „Rubin, hier Rubin-3. U-Boot, Peilung 30 Grad, Entfernung 16 Kabel.“ Der Mann am Schreibtisch greift nach einer Art Mikrofon und quittiert: „Rubin, verstanden!“ Das erste von drei U-Jagdkommandos, die heute unter Führung des ACH im U-Jagdkabinett „Ataka“ arbeiten, hat das U-Boot ausgemacht .....

Die Ataka-Ausbildung war nur ein Element der UAW-Ausbildung. Was gehörte noch dazu und wie gliederte sich nun die UAW-Ausbildung in das Gesamtsystem der Ausbildung ein? Abgehandelt wird das Ausbildungssystem, wie es etwa zum Zeitpunkt der Einführung der KSS Pr. 1159 und Pr. 133 gehandhabt wurde. Prinzipiell gliederte sich die Gefechtsausbildung auf Schiffen und Booten der Volksmarine – das war auch schon früher so gewesen - in taktische, Spezial- und allgemeine Ausbildung. Beginnen wir von hinten:

Zur allgemeinen Ausbildung zählten die MKE (militärische Körperertüchtigung = Sport), Dienstkunde (Kenntnisse zu Dienstvorschriften), Exerzierausbildung, der Schutz vor Massenvernichtungsmitteln, Schießausbildung und die Schiffssicherungsausbildung. Abgesehen vom zuletzt genannten, typisch seemännischen Zweig vermittelte die allgemeine Ausbildung alles das, was jeder Soldat, egal in welcher Waffengattung er seinen Dienst tat, beherrschen sollte.

Die Spezialausbildung war eine reine Fachausbildung in der Laufbahn und Bordfunktion. Neben notwendigen theoretischen Grundlagen vermittelte sie vor allem praktische Fertigkeiten für die Bedienung der Anlagen und Aggregate der jeweiligen Gefechtsstation (GS). Im Mittelpunkt standen dabei Gefechtsnormen für die Inbetriebnahme, die Bedienung in der Haupt- und in Reservevarianten und die Beseitigung typischer Störungen der anvertrauten Technik. Gefechtsnormen wurden bis zum Erbrechen trainiert und regelmäßig überprüft. Dazu gab es einen speziellen Normenkatalog. Spezialausbildung konnte als Einzelausbildung für einen einzelnen Gasten, als Gruppenausbildung einer GS-Bedienung bzw. als Zusammenwirken der GS eines Gefechtsabschnittes (GA) durchgeführt werden. Abschnitts-Gefechtsübungen bildeten die höchste Form der Spezialausbildung. Grundlage der Spezialausbildung war ein entsprechendes Programm für den jeweiligen Schiffstyp.

In der taktischen Ausbildung unterschied man zwischen taktischer Ausbildung der Offiziere und Führungsorgane und solcher für die Schiffe und Boote bzw. Schiffsverbände der Volksmarine. Die Schwerpunkte für die Offiziersausbildung richteten sich dabei auf die den Besatzungen und Schiffsverbänden gestellten Aufgaben. Die Themen wurden teilweise von den vorgesetzten Führungsstellen vorgegeben, teilweise vom Kommandeur selbst formuliert. Kenntnisse über die Kräfte und Mittel des Gegners, ihre Dislozierung und die Einsatzgrundsätze seiner Bewaffnung mussten immer präsent sein. Für die taktische Ausbildung der Schiffe und der Schiffsverbände der U-Boot-Abwehr-Kräfte der Volksmarine existierte ein spezielle Vorschrift: das „Programm für die Gefechtsausbildung auf UAW-Schiffen“. Dieses Programm formulierte als Ziel der taktischen Ausbildung der UAW-Kräfte die Beherrschung folgender Typenaufgaben:

- die Suche, Verfolgung und Vernichtung von U-Booten,
- die UAW-Sicherung der Entfaltung eigener Flottenkräfte aus den Basierungspunkten und bei Rückkehr in die Basen,
- die U-Boot- und Luftabwehr (LAW) der Stoßkräfte, Geleite und Landungsabteilungen bei deren Überfahrt und beim Liegen vor Anker auf ungeschützter Reede,
- die Durchführung des Vorpostendienstes,
- das Legen von Minensperren.

Nach dem Prinzip „Vom Einfachen zum Komplizierten“ begann die taktische Ausbildung auf dem Einzelschiff mit der Durcharbeitung sogenannter B-Aufgaben und erst wenn die Besatzung ihre Geschlossenheit nachgewiesen hatte, konnte auf die Verbandsausbildung (V-Aufgaben) übergegangen werden. Ganz so krass war die Abgrenzung in der Praxis aber nicht. Elemente der V-Ausbildung, wie zum Beispiel das Fahren im Verband, wurde schon geübt, wenn mehrere Schiffe ausliefen, ohne das bereits alle Einzelschiffs-Aufgaben abgelegt waren.

Für das Einzelschiff gab es drei B-Aufgaben (B-1 bis B-3), die im o. g. Programm inhaltlich wie folgt festgelegt waren:

| Aufgabe | Inhalt |
|---|---|
| B-1 | Dienstorganisation an Bord, See- und Gefechtsklarmachen eines UAW-Schiffes |
| B-2 | Schiffsführung, Fahren als Einzelschiff, Organisation des Einsatzes der Waffen, technischen Mittel und Anlagen |
| B-3 | Gefechtseinsatz eines UAW-Schiffes. |

Jede Aufgabe wiederum war mit „Elementen“ unterlegt. So waren bei der Aufgabe B-2 beispielsweise folgende Elemente durchzuarbeiten:

| Element | Inhalt |
|---|---|
| B-21 | Schiffsführung beim Fahren als Einzelschiff |
| B-22 | See-Einsatz des Schiffes |
| B-23 | Organisation des Einsatzes der Waffen und technischen Mittel zur Gegnerabwehr während der Fahrt und vor Anker |
| B-24 | Organisation des Waffeneinsatzes gegen U-Boote |
| B-25 | Organisation des Waffeneinsatzes gegen Überwasserkräfte |
| B-26 | Organisation des Einsatzes der Minenbewaffnung |
| B-27 | Durchzuführende Themen der allgemeinen und Spezialausbildung. |

Für die zwei Aufgaben der Verbandsausbildung war vom Inhalt her festgelegt:

| Aufgabe | Inhalt |
|---|---|
| V-1 | Das Fahren im Verband. Der Gefechtseinsatz einer U-Boot-Such-und-Schlaggruppe (USSG) |
| V-2 | Die Führung von Gefechtshandlungen durch eine Abteilung oder Brigade von UAW-Schiffen |

Innerhalb der beiden Verbandsaufgaben V-1 und V-2 waren die durchzuarbeitenden Elemente mit V-11 bis V-16 bzw. mit V-21 bis V-27 nummeriert. Während bei V-1 der Schwerpunkt noch auf der inneren Organisation der USSG lag, stand bei V-2 das Zusammenwirken der USSG mit anderen, verschiedenartigen UAW-Kräften stärker im Mittelpunkt.

So weit zum Gesamtsystem der Gefechtsausbildung. Wie fügte sich nun die UAW-Ausbildung in dieses System ein? Es gab vier UAW-Aufgaben, vielleicht sollte man besser Aufgabenkomplexe sagen. In der Vorschrift „Programm für die Gefechtsausbildung auf UAW-Schiffen“ waren diese vier Aufgaben bereits den Elementen der B- bzw. V-Aufgaben zugeordnet. So waren durchzuarbeiten:

- im Element B-24 die Aufgabe UAW-1
- im Element B-32 die Aufgabe UAW-2
- im Element V-13 die Aufgabe UAW-3
- im Element V-23 die Aufgabe UAW-4

Inhalt, Lehrziele, theoretische und praktische Ausbildungsmaßnahmen, Gefechtsübungen mit und ohne Waffeneinsatz, Kabinettsausbildung (hier finden wir sie wieder), zugehörige Themen und Normen der Spezialausbildung und alle Kriterien für die Endbewertung einer solchen UAW-Aufgabe waren sehr detailliert in einer zweiten Vorschrift, dem „Programm für die Ausbildung in der UAW auf Schiffen“, festgelegt. Nun ist es unmöglich hier jede einzelne UAW-Aufgabe im Detail zu erläutern. Die letztgenannte Vorschrift benötigt dazu immerhin 116 Seiten. Deshalb zunächst eine Übersicht, wie sich diese Aufgaben vom Inhalt her bezeichnen:

| Aufgabe | Inhalt |
|---|---|
| UAW-1 | Die Organisation des Einsatzes der Ortungsmittel und der UAW-Bewaffnung durch ein Schiff |
| UAW-2 | Der Angriff auf ein U-Boot durch ein UAW-Schiff |
| UAW-3 | Die Suche, Verfolgung und Vernichtung eines U-Bootes durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln |
| UAW-4 | Die Suche, Verfolgung und Vernichtung eines U-Bootes durch einen UAW-Schiffsverband im Zusammenwirken mit UAW-U-Booten und UAW-Fliegerkräften. |

Und jetzt als Beispiel und Auszug aus der Vorschrift der vollständige Inhalt von UAW-3:

*Abbildung (Teil 5, S. 29–30): Faksimile-Auszug aus der Vorschrift „Programm für die Ausbildung in der UAW auf Schiffen“ – Aufgabe UAW3 (Transkription des Schreibmaschinen-Scans folgt)*

> **I. Aufgabe UAW3:** Die Suche, Verfolgung und Vernichtung eines U-Bootes durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln
>
> **Lehrziele:**
> 1. Durcharbeitung der Suche von U-Booten durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln
> 2. Durcharbeitung der Verfolgung von U-Booten durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften
> 3. Durcharbeitung des Einsatzes der UAW-Bewaffnung durch die Schiffe der USSG unter den Bedingungen der Gegenwirkung durch das U-Boot
>
> **Elemente der Aufgabe – Durchzuarbeitende Maßnahmen**
>
> **1. Die U-Boot-Suche durch eine USSG selbständig.**
>
> 1. Gruppenübungen oder taktische Kurzaufgaben mit folgendem Ziel:
>    - Aneignung der Organisation und der taktischen Verfahren zur U-Boot-Suche durch eine USSG.
>    - Vermittlung von Fertigkeiten an die Offiziere des Stabes der USSG in der Beurteilung der Lage, den Berechnungen und der Erarbeitung von Vorschlägen zur Entschlußfassung für die U-Boot-Suche.
>    - Überprüfung des Ausbildungsstandes der Kommandanten und des Chefs der USSG in der U-Boot-Suche.
> 2. Trainings auf dem HBS mit Einsatz der Nachrichtenmittel in
>    - der Führung der Schiffe der USSG bei der selbständigen U-Boot-Suche,
>    - der Organisation der gegenseitigen Information, der Nachrichtenverbindungen und des Zusammenwirkens zwischen den Schiffen der USSG.
> 3. Übungen im UAW-Lehrkabinett "Ataka" in der Suche und Verfolgung eines U-Bootes durch eine USSG.
>    Kabinettsübung Nr. 6: "Die Suche und Verfolgung eines frei manövrierenden U-Bootes durch eine USSG selbständig mit kombiniertem Einsatz verschiedener Arten der UAW-Waffen".
>
> **2. Die Suche eines U-Bootes durch eine USSG im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln.**
>
> 1. Gruppenübungen oder taktische Kurzaufgaben mit folgendem Ziel:
>    - Durcharbeitung der Organisation und der taktischen Verfahren der U-Boot-Suche durch eine USSG im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln.
>    - Durchführung taktischer Berechnungen, Beurteilen der Lage und Entschlußfassung zur gemeinsamen U-Boot-Suche.
>    - Überprüfung der Kenntnisse der Kommandanten der Schiffe und Besatzungen der Flugzeuge (Hubschrauber) in der Organisation und Durchführung der gemeinsamen U-Boot-Suche.
> 2. Trainings auf dem HBS mit Einsatz der Nachrichtenmittel in
>    - der Führung der Kräfte bei der gemeinsamen U-Boot-Suche.
>    - der Organisation der gegenseitigen Information, des gegenseitigen Heranführens und der Übergabe des Kontaktes.
> 3. Übungen im UAW-Lehrkabinett "Ataka" in der gemeinsamen U-Boot-Suche mit UAW-Fliegerkräften.
>    Kabinettsübung Nr. 7: "Die Suche und Verfolgung eines U-Bootes durch eine USSG im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften bei kombiniertem Einsatz verschiedener Arten der UAW-Waffen".
> 4. Gefechtsübungen auf See
>    - in den taktischen Verfahren und Methoden des Manövrierens bei der U-Boot-Suche durch eine USSG gemeinsam mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln.
>    - im gegenseitigen Heranführen, in der Aufnahme, der Übergabe und der Wiederherstellung des Kontaktes bei gemeinsamen Handlungen mit UAW-Fliegerkräften.
>    - in den Verfahren für das Heranführen und die Aufnahme des Kontaktes zum U-Boot, das durch stationäre Ortungsmittel ausgemacht wurde.
>
> **3. Die Verfolgung eines U-Bootes durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften.**
>
> 1. Gruppenübungen oder taktische Kurzaufgaben mit folgendem Ziel:
>    - Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten im längeren Aufrechterhalten des Kontaktes durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften bei unterschiedlichen hydrologischen Bedingungen und bei aktiven Ausweichmanövern des U-Bootes.
>    - Überprüfung der Kenntnisse und Fertigkeiten der Kommandanten der Schiffe und Besatzungen der Flugzeuge (Hubschrauber) in der U-Boot-Verfolgung.
> 2. Trainings auf dem HBS mit Einsatz der Nachrichtenmittel in
>    - der Führung der Kräfte bei der Verfolgung des U-Bootes.
>    - der Organisation der Nachrichtenverbindungen und des Zusammenwirkens der Schiffe mit UAW-Fliegerkräften bei der gemeinsamen Verfolgung des U-Bootes.
> 3. Gefechtsübungen auf See
>    - in den Formationen und im Manövrieren bei der Verfolgung eines U-Bootes durch eine USSG selbständig und im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften.
>    - in der Taktik der Verfolgung eines U-Bootes bei aktiver Gegenwirkung durch das U-Boot.
>    - im gegenseitigen Heranführen, der Übernahme, Übergabe und Wiederherstellung des Kontaktes bei der Verfolgung eines U-Bootes.
>
> **4. Die Suche von auf Grund liegenden U-Booten.**
>
> Gruppenübungen, taktische Kurzaufgaben und Vorbereitungsgefechtsübungen in der Suche eines U-Bootes (einer Scheibe), das auf Grund liegt, in der Hilfeleistung für ein havariertes U-Boot.
>
> **5. Der Einsatz der UAW-Waffen durch eine USSG.**
>
> 1. Übungen im UAW-Lehrkabinett "Ataka"
>    Kabinettsübung Nr. 8: "Die Suche und Verfolgung eines frei manövrierenden U-Bootes durch eine USSG selbständig mit Einsatz von UAW-Torpedos".
>    Kabinettsübung Nr. 9: "Die Suche und Verfolgung eines frei manövrierenden U-Bootes durch eine USSG selbständig mit Einsatz von Wasserbomben".
>    Anmerkung: Die Kabinettsübungen Nr. 8 und 9 sind vor den Kabinettsübungen Nr. 6 und 7 durchzuarbeiten.
> 2. Gefechtsübungen auf See im Einsatz der UAW-Waffen bei der U-Boot-Bekämpfung durch die Schiffe einer USSG selbständig sowie im Zusammenwirken mit UAW-Fliegerkräften und stationären Ortungsmitteln.
> 3. Abnahmegefechtsübungen
>    UT30: "Der Angriff auf ein U-Boot durch eine USSG mit Einsatz von UAW-Torpedos nach Angaben der eigenen hydroakustischen Ortungsanlagen und nach Angaben eines Fühlunghalters".
>    UW30: "Der Angriff auf ein U-Boot durch eine USSG mit Einsatz von Wasserbomben nach Angaben der eigenen hydroakustischen Ortungsanlagen und nach Angaben eines Fühlunghalters".
>    UK20: "Der Angriff auf ein U-Boot durch eine USSG mit kombiniertem Einsatz der UAW-Waffen".

Insgesamt umfasste eine solche Aufgabe einen ganzen Komplex von Ausbildungsmaßnahmen: Spezialausbildung, taktische Ausbildung der Offiziere, Kabinettsausbildung der U-Jagdkommandos, taktische Ausbildung einer Besatzung in Form von Schiffsgefechtsübungen im Hafen und auf See, Trainings in Lehrabschnitten mit faktischem U-Boot als Zieldarstellung und schließlich der Höhepunkt: Gefechtsübungen mit Waffeneinsatz, die in der Regel in eine Abnahmeübung eingebettet waren. Der Termin dieser Übung konnte vorgeplant und damit bekannt sein, z. B. während eines Taktischen Trainings der UAW-Kräfte. Ebenso gut konnte eine Abnahmeübung aber auch Bestandteil einer überraschenden Überprüfung der Gefechtsbereitschaft sein.

Was bei Abnahmen wie zu bewerten war, legte ebenfalls das „Programm für die Gefechtsausbildung auf UAW-Schiffen“ genau fest. Vor allem die Benotung der Gefechtsübungen mit faktischem Waffeneinsatz war ein ziemlich komplizierter Prozess, in den nicht nur das reine Ergebnis (Treffer bzw. Lage der Wasserbombensalve) einging, sondern auch das taktische Verhalten der Schiffsführung und die Zuverlässigkeit der Waffen und technischen Mittel.

Waren nach einer Abnahmeübung alle Teilaufgaben abgearbeitet, die für eine UAW-Aufgabe festgelegt waren, kam es zur Endbewertung. Zwei Kriterien bestimmten das Ergebnis: die Note für den Feuerkoeffizienten und eine Note für den taktischen Koeffizienten.

*Abbildung (Teil 5, S. 31): Faksimile-Auszug aus der Vorschrift – „X. Bewertung der UAW-Aufgabe UAW3“ (Transkription folgt)*

> **X. Bewertung der UAW-Aufgabe UAW3**
>
> 1. Die Note der UAW-Aufgabe UAW3 wird durch die Noten des taktischen und des Feuerkoeffizienten bestimmt.
> 2. Der Feuerkoeffizient O3 wird nach der Formel
>
>    O3 = (WT + WW + WK) / 3
>
>    bestimmt.
>
> WT – Note der Gefechtsübung UT30
> WW – Note der Gefechtsübung UW30
> WK – Note der Gefechtsübung UK20
>
> Ist einer der Summanden WT, WW oder WK mit "ungenügend" bewertet worden, so ist der Feuerkoeffizient O3 mit der Note 5 zu bewerten.

Der Feuerkoeffizient ergab sich also als Durchschnittsnote aller Gefechtsübungen mit Waffeneinsatz. Die Note für den taktischen Koeffizienten vergab der Vorgesetzte, der die Abnahmeübung geleitet hatte. Er musste sich dabei aber auch an die Festlegungen des „Programms für die Ausbildung in der U-Boot-Abwehr auf Schiffen“ halten. Ohne jetzt auf alle Anlagen und Tabellen einzugehen, die dabei im einzelnen zu wälzen waren, musste beachtet werden:

*Abbildung (Teil 5, S. 31–32): Faksimile-Auszug aus der Vorschrift – Zuschläge zur Note und „Tabelle 12 Fehler des taktischen Koeffizienten einer USSG“ (Transkription folgt)*

> - um 0,5, wenn während der U-Boot-Suche und -Verfolgung gleichzeitig die Abwehr von Flugzeugen und Schiffen mit entsprechenden Artilleriegefechtsschießen erfolgt,
> - um 0,5 für Anwendung neuer taktischer Verfahren der Führung, der Suche, der Verfolgung und des Waffeneinsatzes (für jedes neue Verfahren einzeln),
> - um 1,0, wenn die Aufgaben unter schlechten hydrologischen Bedingungen, bei hydroakustischen Ortungsreichweiten von 5 kbl und weniger durchgeführt werden.
>
> Die Note des taktischen Koeffizienten ist entsprechend Tabelle 5 zu ermitteln.
>
> **Tabelle 12 Fehler des taktischen Koeffizienten einer USSG**
>
> | Lfd. Nr. | Fehler beim Lösen der taktischen Aufgabe | Fehlerwert |
> |---|---|---|
> | 1 | Fehler in den Berechnungen zur U-Boot-Suche (Fehler in der Berechnung der hydrologischen Bedingungen, der Festlegung der Suchgeschwindigkeit, der Wahl des Suchverfahrens u.a.), die nicht den Abbruch der Suche nach sich ziehen | 0,25 für jeden Fehler |
> | 2 | Fehler im Manövrieren der USSG bei der U-Boot-Suche (falscher Zickzackkurs, falsche Bestimmung des Abstandes zwischen den Schiffen, nicht rechtzeitiges Vermindern der Geschwindigkeit und dadurch Stören der HFB, Fehler in der Berechnung zur Annäherung an das U-Boot u.a.) | 0,25 für jeden Fehler |
> | 3 | Verstöße gegen die Gedecktheit des Einsatzes der nachrichten- und funktechnischen Mittel (U-Boot peilt das Arbeiten der nachrichten- und funktechnischen Mittel, bevor der Kontakt zum U-Boot hergestellt wurde) | 0,2 |
> | 4 | Verzögerungen in der Übermittlung der Information über das Orten des U-Bootes | 0,5 |
> | 5 | Fehler in der Zuordnung der Sektoren für die Schiffe bei der Verfolgung, Nichteinhalten der zugewiesenen Sektoren durch die Schiffe, gegenseitiges Stören beim Kontakthalten und beim Waffeneinsatz | 0,25 für jeden Fehler |
> | 6 | Mängel im Zusammenwirken zwischen der USSG und der FSSG oder Hubschrauber-Such-Schlaggruppe (HSSG): nicht rechtzeitige gegenseitige Information, Fehler im gegenseitigen Heranführen oder in der Kontaktübergabe, Fehler im Heranleiten des Flugzeuges an den Anfangspunkt des Bojenwurfs, Fehlen genauer Positionen der HFB in der Karte, nicht rechtzeitiger Übergang auf Suchgeschwindigkeit u.a. | 0,25 für jeden Fehler |
> | 7 | Fehler in der Führung der Kräfte bei gemeinsamen Handlungen mit UAW-Fliegerkräften (falscher Einsatz der UAW-Fliegerkräfte, ihr nicht rechtzeitiges Heranrufen, Fehler in der Aufgabenstellung an die Flugzeuge und Hubschrauber u.a.) | 0,25 für jeden Fehler |
>
> Außerdem kann die Note des taktischen Koeffizienten vom Leiter der Übung bei Verstößen gegen die Gefechtsvorschrift heruntergesetzt werden.
> Die Note der UAW-Aufgabe wird anhand der Noten für den taktischen und den Feuerkoeffizienten aus Tabelle 7 bestimmt.

Natürlich kann auch Tabelle 7 geliefert werden:

*Abbildung (Teil 5, S. 32): Faksimile-Auszug aus der Vorschrift – „Tabelle 7 Bestimmung der Gesamtnote der Gefechtsübung“ (Transkription folgt)*

> **Tabelle 7 Bestimmung der Gesamtnote der Gefechtsübung**
>
> | Note des Feuerkoeffizienten | Note des taktischen Koeffizienten: sehr gut | gut | befriedigend | ungenügend |
> |---|---|---|---|---|
> | *Gesamtnote der Gefechtsübung* | | | | |
> | sehr gut | sehr gut | gut | befriedigend | ungenügend |
> | gut | gut | gut | befriedigend | ungenügend |
> | befriedigend | gut | gut | befriedigend | ungenügend |
> | ungenügend | ungenügend | ungenügend | ungenügend | ungenügend |

Was sagt sie aus? Egal, wie positiv alle Einzelbewertungen auch ausgefallen waren, mussten Feuerkoeffizient oder taktischer Koeffizient mit „ungenügend“ bewertet werden, gab es auch in der Endnote nur ein „ungenügend“. Die Abnahme der Aufgabe musste wiederholt werden und das nun erreichte Ergebnis wurde – wegen der Wiederholung – um eine Note herabgesetzt.

Zurück in das Kabinett „Ataka“. Wir hatten die dortige Ausbildung in dem Moment verlassen, als eines der U-Jagd-Kommandos gerade ersten Kontakt zum U-Boot gemeldet hatte. Mit der Ruhe war es in den Ausbildungsräumen nun vorbei. Militärisch knapp und präzis formulierte Befehle, Meldungen und Fragen steuerten die Arbeit aller Beteiligten. Während der GA-I von Rubin-3 mit der Stoppuhr in der Hand noch auf eine dritte Peilung zum U-Boot wartete, um dessen Kurs und Geschwindigkeit ausreichend genau zu bestimmen, wurde in den beiden anderen Kommandos über das Radargerät noch einmal die Lage der Schiffe zueinander kontrolliert. Dann wurde die Meldung von Rubin-3 ausgewertet und so die Position des U-Bootens bezüglich des eigenen Schiffes bestimmt. Die nächste Meldung von Rubin-3 über UKW: „U-Boot, Peilung 28 Grad, Entfernung 15 Kabel, Kurs 280 Grad, Geschwindigkeit 6 Knoten.“ Auf diese Meldung hatte der Chef schon ungeduldig gewartet. Er wies den drei Schiffen Begleitsektoren zu. Kurz darauf meldete Rubin-2 ebenfalls Kontakt und die Einnahme des befohlenen Sektors. Rubin-3 und Rubin-2 begleiteten das U-Boot an dessen Backbordseite in etwa 12 Kabel Entfernung. Für Rubin-1 lag das Ziel noch außerhalb der Reichweite der Hydrostation. Außerdem musste es auf die befohlene Position an der Steuerbordseite des U-Bootes laufen. Das tat es wohl etwas zögerlich. Sofort der Anranzer: „Rubin-1 hier Rubin, Manöver beschleunigen!“ Der Kommandant reagierte: „Rubin hier Rubin –1, Geschwindigkeit 18 Knoten eingenommen!“ Das Manöver war noch nicht beendet, als Rubin-2 eine Kursänderung des U-Bootes nach Steuerbord meldete. Als der neue Kurs bestimmt war, präzisierte der ACH die Begleitsektoren und führte Rubin-1an den Kontakt heran. Endlich die ersehnte Meldung: „Rubin hier Rubin-1, U-Boot 140 Grad, 14 Kabel, Kurs 190 Grad, Geschwindigkeit 5 Knoten.“ Damit hatten alle Schiffe der USSG Kontakt hergestellt und der „Gegner“ konnte längere Zeit stabil begleitet werden, egal mit welchen Manövern er auch versuchte, seine Begleiter abzuschütteln.

„Hier Rubin, Ende der Übung, Offiziere zur Auswertung in den Saal!“ Das Licht ging an und hinter der Leinwand traten, wegen der plötzlichen Helligkeit noch mit den Augen blinzelnd, zwei Matrosen hervor. Auf dieser Seite war die Leinwand mit Plexiglas verkleidet und mit farbigen Fettstiften hatten die Auswerter alle Manöver der Schiffe und des U-Bootes aufgezeichnet. Eine zusätzliche Lichtquelle hinter der Leinwand machte diese Aufzeichnungen jetzt besonders deutlich und der ACH konnte mit seiner Auswertung beginnen: „Genossen Offiziere! Schwerpunkt der letzten Ausbildungsstunde war die Herstellung des Kontaktes, die Kontaktübergabe und die Begleitung eines U-Bootes.“ Dann analysierte er die Handlungen der einzelnen U-Jagd-Kommandos und schloss: „Wir werden die zweite Ausbildungseinheit genau in der Situation beginnen, wie wir die erste beendet haben. Vom taktischen Hintergrund her befinden wir uns jetzt in einer Spannungsperiode unmittelbar vor Ausbruch der Kampfhandlungen. Die USSG begleitet ein gegnerisches U-Boot. Alle Waffensysteme einsatzklar. Mit Eingang des Kurzsignales „Ausbruch der Kampfhandlungen, begleitete U-Boote vernichten!“ wäre diese Aufgabe in kürzester Zeit zu erfüllen. Jeder von Ihnen muss damit rechnen, als erster von mir den Angriffsbefehl zu erhalten. Jetzt noch 15 Minuten Pause. Beginn der Ausbildung 10.00 Uhr!“

— Hans Steike
