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title: "Skandal im Med.-Punkt"
autoren: ["Hans Steike"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 3"
projekte: ["1159"]
zeitraum: "1976"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t03-skandal-im-med-punkt"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Skandal im Med.-Punkt

> Zu Beginn des 1159-Lehrganges in Baku Ende März 1976 mußten die Teilnehmer unter Abteilungschef Fritz Naumann einen gründlichen Gesundheits-Check der sowjetischen Seite absolvieren. Hans Steike erzählt von der Untersuchung bei einer jungen Schwester und dem peinlichen Mißgeschick eines beleibten Meisters der I-Basis.

Nach langer Bahnfahrt waren die Teilnehmer des 1159-Lehrganges Ende März 1976 nicht ganz ohne Huddelei in Baku eingetroffen. Schuldlos hatte sich eine Gruppe um einen ganzen Tag verspätet. Aber das ist eine andere Geschichte. Der ACH, Fregattenkapitän Fritz Naumann, war jedenfalls froh, daß er seinen Personalbestand endlich zusammen hatte, nachdem er sich am Vortag vergeblich auf dem Bahnhof Baku die Beine in den Bauch gestanden hatte. Der erwartete Zug war nicht angekommen.

Gleich am nächsten Morgen hatte die sowjetische Seite erst einmal einen gründlichen Gesundheits-Check organisiert. Also begaben wir uns im Trainingsanzug zum Med.-Punkt und harrten der Dinge die da kommen sollten. Es begann das übliche: Größe und Gewicht, Puls- und Blutdruck-Messung, A-Sagen, Zunge raus, Stethoskop auf der Brust und auf dem Rücken. Hände vorstrecken, Handflächen nach unten dann nach oben, zeigt her eure Füßchen, Reflexkontrolle usw., usw. Da alles im Rudel passierte, hatten wir unseren Spaß dabei und der jeweilige Deliquent erhielt äußerst wertvolle Hinweise von seinen zuschauenden Kameraden.

Fritz ging mit gutem Beispiel voran. Das heißt er war überall der Erste. Auch als er ganz allein in ein weiteres Untersuchungszimmer geschickt wurde. Nach etwa drei Minuten kam er ziemlich verstört wieder raus. „Das ist ja ein Ding“, berichtete er. „Da drin ist eine junge, bildhübsche Schwester und vor der musst Du die Hosen runterlassen und den Achtersteven präsentieren. Dann fummelt die mit irgendwas Metallenem an und in dir rum. Ich glaube, die nehmen da eine Laborprobe.“

Na, das konnte ja heiter werden! Aber da mussten wir durch und es gab auch keine Komplikationen, bis Meister S. an die Reihe kam. Er war ein kleiner, für sein Alter schon recht beleibter Mechaniker der I-Basis. Kurze Zeit, nachdem er das Zimmer betreten hatte, kreischte die Schwester laut auf und dann folgte ein heftiger Redeschwall, der auch für unsere noch wenigen Russischkenntnisse unschwer als Fluchen und Schimpfen zu erkennen war. Die Hose halbhoch gezogen und mit der Hand festhaltend kam Meister S. mit hochrotem Kopf aus dem Zimmer gestürzt. Jeder wollte nun wissen was passiert war und – nachdem er sich wieder gesammelt hatte – berichtete er: Er hätte schon den ganzen Tag an Blähungen gelitten. Durch das Bücken wäre sein Bauch wohl noch zusätzlich zusammengepresst worden, was den inneren Druck noch verstärkte. Gerade als die Schwester die Probe ziehen wollte, versagte sein innerer Schließmechanismus. Vielleicht hatte die Schwester auch eine Blase angestochen. Jedenfalls passierte ihm etwas sehr Menschliches. Kurz gesagt: Er ließ einen sausen, dazu auch noch mit Geräusch. Die Schwester schrie auf und ließ vor Schreck ihre Instrumente fallen.

Der Rest war ja schon geschildert. Nachdem sich die junge Dame wieder beruhigt hatte, ging die Untersuchung weiter. Meister S. musste sich ganz hinten wieder einreihen. Sein zweiter Versuch verlief ohne besondere Vorkommnisse.

— Hans Steike
