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title: "Wie ein KSS zu einem Motorrad kam"
autoren: ["Hans Steike"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 2"
projekte: ["50"]
schiffe: ["Ernst Thälmann"]
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t02-wie-ein-kss-zu-einem-motorrad-kam"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Wie ein KSS zu einem Motorrad kam

> Um die Disziplin der Besatzung während der Werftliegezeit der „Ernst Thälmann“ in der Neptunwerft zu erhalten, wird mit der GST ein Motorrad-Fahrschullehrgang organisiert. Das dafür nötige Motorrad beschafft der Oberbootsmann mit fingierten Billigangeboten zu einem „echten Preishammer“.

Das Schiff „Ernst Thälmann“ liegt zur turnusmäßigen Großen Werftliegezeit in der Neptunwerft in Rostock. Wie üblich sind die Dienst- und Lebensbedingungen an Bord stark eingeschränkt. Große Teile der Besatzung arbeiten in den Gewerken der Werft unter fast zivilen Verhältnissen an der Wartung der ausgebauten Schiffstechnik mit. Die Arbeiten an Bord, beispielsweise das Entrosten des Schiffskörpers, sind auch nicht gerade das, was einen Seemann begeistert. So nach und nach geraten Disziplin und Ordnung in Gefahr. Wehret den Anfängen! Aber, was tun, um die Truppe bei Laune zu halten?

Der Kommandant beriet sich zuerst mit seinen GA-Kommandeuren und bezog dann die FDJ-Organisation des Schiffes in die Lösungssuche ein. Von dort kam dann auch ein brauchbarer Vorschlag: Die Neptunwerft verfügte über eigene Organisation der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und diese wiederum führte Fahrschul-Lehrgänge für Motorräder durch. Könnte man da nicht mitmachen? Die GST war auch sehr entgegenkommend und erklärte sich bereit, kostenlos Fahrlehrer, Schulungsmaterial und -räume zur Verfügung zu stellen. Nur an das GST-eigene Motorrad war wegen der limitierten Km- und Spritzuweisung absolut kein Herankommen.

Ein eigenes Motorrad mußte her! Diese Aufgabe übernahm der Oberbootsmann, ein Schlitzohr wie die meisten seiner Gilde, die es gewohnt waren, mit allerlei Tricks dem semännisch-technischen Lager Ausrüstung und Verbrauchsmaterial über das eigentliche Soll hinaus zu entlocken. Als erstes begann der Schmadding Inserate in die Tagespresse zu setzen, in denen eine gebrauchte RT-125 gesucht wurde. Parallel beauftragte er einige Matrosen, auf diese Annoncen mit Billigangeboten zu antworten. Als er genügend echte und fingierte Angebote zusammen hatte, machte er sich auf den Weg zu den echten. Das lief dann in der Regel so ab:

Besichtigung des Motorrades. Wenn es den kritischen Prüfungen Stand hielt, wurde ein leichtes Interesse gezeigt. Man kam auf den Preis zu sprechen. Auf den echten Angebotspreis reagierte der Oberbootsmann mit dem Vorlegen einiger fingierter Angebote und der Bemerkung, daß der geforderte Preis doch erheblich über dem für so eine Maschine üblichen läge. Der Besitzer wurde verunsichert zurückgelassen und das nächste Angebot nach gleichem Muster geprüft. Zu guter letzt wurde dem schwächsten Kandidaten das Motorrad zu einem – heute würde man sagen - echten Preishammer abgekauft.

So kam das KSS zu seinem Motorrad und der Kommandant zu einem stabilisierenden Element für die Disziplin der Besatzung. Die knapp 50 Mann, die sich für die Fahrschule eingetragen hatten, waren über die Dauer des mehrwöchigen Lehrganges brav wie die Mäuschen. Denn eins mußte die FDJ dem Kommandanten versprechen: Wer in Sachen militärischer Disziplin und Ordnung über die Stränge schlägt, fliegt aus dem Fahrschulzirkel raus!

— Hans Steike
