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title: "Taucheinsatz im „geheimen“ Auftrag"
autoren: ["Lothar Kolditz"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 2"
projekte: ["50"]
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t02-taucheinsatz-im-geheimen-auftrag"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Taucheinsatz im „geheimen“ Auftrag

> Im Januar soll der Leitende Ingenieur in Saßnitz unauffällig eine ins Hafenwasser gefallene Rückholfeder der Flak bergen, bevor der Stab davon erfährt. Beim Tauchgang findet er zugleich die Wodkaflasche eines Kesselgastes, die dieser zu Silvester außenbords gekühlt hatte – der Kommandant lädt daraufhin zum „Rapport“.

Unser Schiff lag in Saßnitz. Terminarbeiten zur Pflege der Technik stand auf dem Dienstplan und ein geschäftiges Treiben herrschte an Oberdeck. An BB-Seite in Höhe des Reservebefehlsstandes diskutierte ein Geschützmaat aufgeregt mit zwei Matrosen. Ehe ich die Ursache dafür ergründen konnte, wurde ich zum Kommandanten gerufen.

„LI, laß sofort die Tauchgruppe klarmachen, aber ohne großes Aufsehen. Dem Flak-Personal ist bei Montagearbeiten eine Rückholfeder ins Wasser gefallen. Du mußt sie unbedingt finden, ehe der Stab davon Wind bekommt.“ Begeistert war ich nicht, denn es war Anfang Januar und außerdem war das Wasser am Liegeplatz alles andere als sauber. Mein bester Taucher war in Urlaub und so blieb mir nichts anderes übrig, als den delikaten Befehl selbst auszuführen.

Ich stand schon an der Taucherleiter, als ein Kesselgast mir unbedingt und sofort eine vertrauliche Meldung machen wollte. Er gestand mir, daß er am Silvesterabend eine nicht genehmigte Flasche Wodka zur Kühlung und zum Verbergen vor dem I.WO an einer Schnur aus dem Bulley gehängt hatte. Sein Heizerwuhlingstek hatte aber nicht gehalten. Der Knoten hatte sich gelöst. Die Flasche lag also außenbords drei Meter unter dem Kiel und er meinte, daß es doch schade sei, wenn sie dort liegen bliebe. Seine Offenheit gefiel mir und ich versprach, mal nach der Flasche zu sehen.

Durch einen zweiten Taucher an Oberdeck gesichert, begann ich meinen Tauchgang. Durch die scheinende Mittagssonne hatte ich einigermaßen Sicht unter Wasser und nach wenigen Minuten die beiden vermißten Gegenstände gefunden. Unauffällig wurden Feder und Flasche an Oberdeck und zum Kommandanten gebracht. Ich berichtete zum Sachverhalt.

Mit dem Hinweis auf das bestehende Alkoholverbot behielt er den Wodka ein und beorderte mich, den zweiten Taucher und den Eigentümer der Flasche nach dem Abendessen zum Rapport. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

— Lothar Kolditz
