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title: "„Hermann Streckers Straßenbau“"
autoren: ["Peter Dölling", "Siegfried Prinz"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 2"
projekte: ["50"]
zeitraum: "1965–1972"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t02-hermann-streckers-strassenbau"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# „Hermann Streckers Straßenbau“

> Ein Spottgedicht von Peter Dölling und Siegfried Prinz über den mühsamen Bau einer Straße zwischen dem Stab der KSS-Abteilung am Seekanal und dem Liegeplatz der Schiffe in Warnemünde nach der Verlegung von Saßnitz 1965. Eine Vorbemerkung erläutert die Hintergründe des „gewaltigen Projektes“ unter Abteilungschef Hermann Strecker.

Schöpfer der folgenden Verse waren Peter Dölling, der leider viel zu früh verstorbene, spätere Kommandant des Schiffes „Ernst Thälmann“ und Siegfried Prinz.

Zur Erklärung: Nach Verlegung der Schiffe von Saßnitz nach Warnemünde im Oktober 1965 war der Stab in einer Baracke am Seekanal untergebracht. Von dort bis zum Liegeplatz der Schiffe war ein knapper Kilometer zurückzulegen. Zwischen Stab und Liegeplatz existierte nur ein unbefestigter, unbeleuchteter Weg, der über ein busch- und rohrbewachsenes Spülfeld führte. Manch Diensthabender der Abteilung wurde bei seinen Kontrollgängen in den Dämmerstunden und nachts durch Wildschweine in die Flucht geschlagen. Für Fußgänger mit leichtem Schuhwerk gab es nach längeren Regenperioden kein Durchkommen. Dem ACH, Hermann Strecker, stand ein Dienstwagen zu. Den Umständen entsprechend wurde ihm ein robuster, aber sehr durstiger P-2-Kübel bewilligt. Selbst dieser geriet bei Schlechtwetter gelegentlich in Schwierigkeiten und mußte auf befestigte Umwege ausweichen. Diesem Zustand wollte der ACH ein Ende machen. Das gewaltige Projekt zog sich über mehrere FCH-Perioden (Bernig, Richter) hin und beschäftigte nacheinander auch zwei KSS-Stabschefs (Kremkau, Sperling).

Die folgenden Reime erheben keinen Anspruch auf einen Poesiepreis, schildern aber sehr drastisch den Ablauf des gewaltigen Projektes:

Wer möcht‘ heut nicht prognostisch denken und alles ökonomisch lenken.  
Hermann Strecker – ei, ei, wie schlau - erfand deshalb den Straßenbau.

Denn das Limit für seinen Kübel, war das allerärgste Übel.  
Um das Spülfeld zu umfahren, verbrauchte der den Sprit von Jahren.  
Wollt der Stab mal zur Flottille, ging’s nicht ohne Maulen ab.  
Jeder war am Ende knille und das Schuhwerk wurde knapp.

„Also, Stabschef, leg mal los. Es geht um eine Straße bloß!“  
Nach einem nicht vorhandnen Plan, zog Kremkaus Raupe nachts die Bahn.  
Die stärksten Männer der Abteilung steckten Stöckchen hin – zur Peilung.  
So schob die Raupe gar nicht leise erst mal eine lange Schneise.

„Hermann“, sprach der große Bernig, „Deine Straße die wird kernig.  
Doch ich rate Dir, mein Bester, mach den Untergrund noch fester.“  
Ein Jeder denkt, das ist nicht schwer. Splitt muß her. Nur Splitt muß her.  
Da fuhr der liebe Weihnachtsmann aus Bentwisch kleine Steinchen an.

Trotz dieser großen Neuerung kam in die Sache noch kein Schwung,  
denn die splittbeladnen Wagen konnt die Straße noch nicht tragen.  
Schon an den allerersten Ecken blieb – oh Schreck – das Auto stecken.  
Da halfen Schaufel nur und Spaten. Und KSS-Matrosen! Richtig erraten!

Damit die Straße wird erkannt, steckt Sperling Schilder in den Sand.  
Die zeigen einem jeden an, daß man sie nicht benutzen kann.  
Und wenn Du denkst, die Schilder lügen, wirst Du bald auf die Fresse fliegen.  
Versuchst Du’s gar mit Motorkraft, dann steckst Du fest im Spülfeldsaft.

So gehen Monate ins Land. Waldi Richter nimmt das Flottillenruder in die Hand.  
Zusammen mit dem Käptn Kahnt hat er den Mißerfolg erahnt.  
So sagt er dann betont und leise: „Was Ihr hier macht, ist große Sch...“.  
Splitt alleine ist nicht richtig. Beton muß her! Das ist wichtig!“

Und weil man grade welche hatte, legt man Platte neben Platte.  
Es blieb nicht nur beim bloßen Test. Die Trasse wurde breit und fest.  
Auch Lampen wurden aufgestellt, was unsre Straße nun erhellt.  
Man kann sie ständig jetzt benutzen und braucht kaum noch die Schuh zu putzen.

So wurde dann zu guter letzt ein Schlußpunkt unter das gesetzt,  
was einst begann - ei, ei, wie schlau – als Hermann Streckers Straßenbau.

— Peter Dölling, Siegfried Prinz
