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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Die Strandbeölung

Auf dem Weg nach Tarnewitz tritt im Kesselraum eines KSS Projekt 50 Heizöl aus einem gerissenen Bunker aus. Um die Brandgefahr zu bannen, läßt der LI die Bilge lenzen – etwa zwei Tonnen Masut treiben daraufhin an den Strand von Warnemünde vor dem Hotel „Neptun“. Die Besatzung des Schiffes 123 muß den verölten Sand abfahren und erfindet dabei phantasievolle Erklärungen für die Urlauber.

Es war an einem wunderschönen Herbsttag. Zwei Schiffe unserer Abteilung liefen aus nach Tarnewitz. Handfeuerwaffenschießen war angesagt. Wir hatten die Mole auslaufend passiert und die Maschinenanlage lief wie ein Uhrwerk. Doch die Normalität sollte bald ein Ende haben. Ich wollte gerade vom BS/V aus meinen Kontrollgang durch den GA-V antreten, als folgende Schreckensmeldung von der GGS-1/V eintraf: „Heizöl in der Kesselraumbilge, höchste Brandgefahr!“ Mit einem Sprung an das Geländer des Niederganges zum Kesselraum und nach kurzem Rutsch drei Meter abwärts war ich vor Ort. Dickes schwarzes Heizöl schwabberte unter den Flurplatten und darüber entwickelte sich gefährlich ein bläulicher Dunst. Stechender Geruch erschwerte das Atmen, obwohl alle Lüfter in Betrieb waren.

Trotz gewissenhafter Suche fanden wir die Ursache nicht. Ein Brand im Kesselraum hätte sich zu einer Katastrophe für das gesamte Schiff ausweiten können. Mir blieb nichts anderes übrig, als den Befehl zu geben, die 100t-Ejektoren in Betrieb zu nehmen und die Bilge zu lenzen. Schnell war die Bilge leer, die Brandgefahr gebannt und endlich konnte man auch wieder normal atmen. Auch die Störungsursache, ein Riß in der Bunkerdecke des Bunkers 4 direkt unter dem Bb-Kessel, war schnell gefunden. Der Bunker wurde auf ca. 60% entleert und der Riß mit Leckwehrmaterial abgedichtet. Erleichterung! Alles klar, die Fahrt konnte weitergehen. Doch kurz vor Tarnewitz kam überraschend nur für unser Schiff der Befehl zur sofortigen Rückkehr in den Stützpunkt Warnemünde.

Dort angekommen, erwartete uns nach dem Festmachen ein uns unerklärliches, großes Aufgebot an hochkarätigen Dienstgraden. Der Havariekommissar, der Schiffstechnische Dienst des Kommandos und der Flottille, FCH, ACH, Abteilungsing. und weitere Persönlichkeiten nahmen uns in Empfang und unterzogen mich einer hochnotpeinlichen Befragung. Was war passiert? Mein Befehl zum Lenzen der Kesselraumbilge hatte bewirkt, daß etwa 2 t Heizöl außenbords gepumpt wurden. Durch den auflandigen Wind trieb der doch recht beachtliche Ölteppich auf den Strand von Warnemünde zu. Die Wellen sorgten dafür, daß sich schwappweise das Öl über den Strand verteilte und dieser bald mit schwarz bis bunt schillernden Flecken übersät war - und das auch noch unter den Terrassen des Nobelhotels “Neptun”. So verging nur kurze Zeit, bis Gäste und Spaziergänger dieses Ereignis zur Meldung brachten und so die Dienstmühle in Gang setzten.

Für mich als LI standen die Aktien schlecht. Ich sah schon in kürzester Zeit eine Veränderung im Dienstgrad und Regreßmaßnahmen auf mich zu kommen. Rettung kam durch den AI, unseren guten “Papa Wehrend“ und den ACH, Fregattenkapitän Strecker. Ihnen gelang es, das Aufgebot an hohen Offizieren zu überzeugen, daß wohl ein brennendes Schiff mit über 150 Mann Besatzung ein größeres Übel gewesen wäre, als 2000m mit Ölflecken belegter Strand und wenn in Verantwortung der KSS-Abteilung die Ölflecken vom Strand beräumt würden, wäre der Schaden ja behoben. Nach einer Anfrage beim Umweltamt, wurde diese Verfahrensweise auch genehmigt. Das Schiff 123, das mit EKZ-4 im Hafen lag, erhielt den Auftrag zur Beseitigung des Prinz’schen Ölteppichs am Warnemünder Strand und wir liefen wieder mit Kurs Tarnewitz aus.

Die Besatzung der 123 war von dieser Aufgabe sicher nicht begeistert war, aber ihre Leistung war beispielhaft. Mehrere Hundert LKW-Ladungen mit ölverschmutzten Sand wurden im gerade im Bau befindlichen Stadtteil Lütten Klein zum Straßenbau angefahren. Die Besatzung erhielt für ihren Einsatz vom ACH eine Kollektivprämie, während ich meinen Anteil in Form von höherprozentigen Flüssigkeitsprodukten beizusteuern hatte. Schwein gehabt!!!

Wie ich später erfuhr, hatten einige der Matrosen der 123 mit den Urlaubern noch ihren Spaß getrieben. Ganz Neugierige wollten nämlich wissen, was denn mit dem Sand gemacht wird, den die Marine da auf LKW’s auflädt. Da gab es dann solche Antworten wie: „Der wird nach Afrika exportiert zum Aufschütten der Sahara“ oder „In Babelsberg wird ein neuer Sandmann-Film gedreht und die DEFA braucht dazu jede Menge feinen Sand. Den gibt es nur hier an der Ostsee.“

— Siegfried Prinz

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